Drogeriekette will Arzneimittel abgeben

dm-Chef: Apotheker werden überflüssig

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Berlin -

Die Drogeriekette dm beschränkt sich mit ihren mehr als 2000 Filialen nicht mehr nur auf Kosmetik und Haushaltsartikel, sondern auch Gesundheit spielt eine immer größere Rolle. Geht es nach Konzernchef Christoph Werner, könnte die Drogerie in Zukunft auch Impfungen anbieten, Diagnosen stellen und Arzneimittel abgeben. Apothekerinnen und Apotheker braucht es demnach nicht mehr.

„Wir glauben, dass die Bereitschaft für Prävention wachsen und damit das ganze Thema Gesundheit bei dm an Bedeutung zunehmen wird“, so Werner im Interview mit dem Tagesspiegel. Grund ist der demographische Wandel – immer mehr ältere Menschen werden medizinische Unterstützung benötigen. Dem gegenüber stehen sinkende Apothekenzahlen – vor allem im ländlichen Raum.

Hier kommen die Drogeriemärkte ins Spiel. Immerhin gibt es schon jetzt Nahrungsergänzungsmittel und ausgewählte Apothekenprodukte in den dm-Regalen. „Gesundheit als Dienstleistung aber noch nicht“, so Werner. Das kann sich der Sohn des Firmengründers aber vorstellen. „Aber früher oder später wird der Gesetzgeber hier reagieren müssen“, so Werner gegenüber dem Tagesspiegel mit Blick auf das Apothekensterben: „Jeden Tag schließen ein bis zwei Apotheken in Deutschland, vor allem im ländlichen Raum. Viele Apotheker sagen, es rechnet sich nicht mehr oder haben keine Nachfolge. Bei der Frage, wie Gesundheit erschwinglich und verlässlich bleibt, können Drogeriemärkte mit ihrem bestehenden Filialnetz einen wichtigen Beitrag leisten.“

Dass Apotheker:innen von der Idee nicht begeistert sein werden, weiß der dm-Chef. Aber darum gehe es nicht. „Diejenigen, die von Veränderungen betroffen sind und sich in den bestehenden Strukturen eingerichtet haben, sind immer erst einmal dagegen. Aber für den Gesetzgeber ist ja entscheidend, wie Gesundheit für alle bezahlbar bleibt. Und nicht die Frage nach Apothekern oder Drogeriemärkten.“

Die Geschichte zeige, was möglich sei, denn die Drogeriemärkte gehen auf eine Gesetzesänderung zurück. „Es ist durchaus denkbar, dass der Gesetzgeber bei steigenden Kosten im Gesundheitsbereich ähnlich reagieren wird.“

Vorstellbar ist für Werner alles. Beratungen, Diagnosen, Impfungen und auch die Abgabe von Arzneimitteln. „In den USA machen Drugstores, also Drogerien mit integrierten Apotheken, zwei Drittel ihres Umsatzes mit Produkten oder Dienstleistungen, die wir in Deutschland nicht anbieten dürfen.“ In den USA werden auch verschreibungspflichtige Arzneimittel in den Drugstores verkauft. „Es sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die das zulassen oder verbieten.“

Mit den Drugstores als Vorbild geht Werner noch einen Schritt weiter. Arzneimittel müssen aus seiner Sicht nicht unbedingt von pharmazeutischem Personal abgegeben werden. Möglich mache dies die Einführung des E-Rezeptes und er elektronischen Patientenakte. „Wofür es heute noch den ausgebildeten Apotheker vor Ort braucht, kann in Zukunft im Hintergrund automatisiert geprüft und dann personalisiert direkt übergeben werden“, so Werner gegenüber dem Tagesspiegel.

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