Pharmakonzerne

Contour: Bayer erzwingt Generationswechsel

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Berlin -

Eigentlich will Bayer sein Geschäft mit Blutzucker-Messgeräten verkaufen. Um die Sparte attraktiver zu machen, wird jetzt aufgeräumt: Der Hersteller will den Vertrieb älterer Blutdruckmessgeräte einstellen und künftig ganz auf die Messsysteme der Contour Next Generation setzen. Die alten Geräte würden bereits heute nicht mehr aktiv vertrieben, so eine Sprecherin. Im Mai 2016 sollen dann auch die Teststreifen für die klassischen Geräte Contour, Elite und Breeze 2 vom Markt verschwinden.

Die modernen Teststreifen haben sich dem Hersteller zufolge in Kombination mit den Systemen Contour XT, Contour Next, Contour Next USB und Contour Next Link als besonders messgenau erwiesen. „Um allen unseren Kunden unsere innovativste Technologie mit noch besserer Messgenauigkeit bieten zu können, schicken wir unsere klassischen Messsysteme in den wohlverdienten Ruhestand“, so Michael Engels, Marketingleiter der Diabetessparte.

Aus Sicht von Bayer profitieren alle Verwender von dem Schritt, da die moderneren Geräte alle mit demselben Teststreifen arbeiten, dem Contour Next Sensor. Dadurch werde der organisatorische Aufwand für Apotheken und Arztpraxen erheblich reduziert. Auch ein Wechsel zwischen den verschiedenen Messsystemen gestalte sich einfacher und die Betreuung der Verwender falle leichter. Zudem ermöglichten es die Teststreifen der neuen Generation, erneut Blut anzusaugen, wenn die Blutprobenmenge beim ersten Mal zu gering gewesen sei. Auf diese Weise könnten Sensoren eingespart werden.

Bereits jetzt können Apotheker und Ärzte kostenfreie Testgeräte bestellen. An Teststationen in Apotheken sollen Patienten die verschiedenen Geräte in die Hand nehmen und ausprobieren können. Die Bestellung soll über die Hotline direkt beim Hersteller erfolgen. Allerdings könnten auch Apotheker die Beschaffung des neuen Geräts übernehmen, betont die Sprecherin. Ein ausschließlicher Direktvertrieb sei nicht vorgesehen. „Wir sind froh, dass wir die Apotheker als Berater haben“, so die Sprecherin.

Bayer informiert derzeit außerdem die Patienten darüber, dass sie kostenlos neue Geräte erhalten können. Im Rahmen dieses „Upgrades“ bekommen die Patienten auf Wunsch kostenfrei ein neues Gerät zugeschickt. Man könne sich auch verschiedene Geräte zum Test zuschicken lassen, erklärt die Sprecherin. Die alten Geräte könnten die Patienten behalten und solange nutzen, bis ihre Teststreifen aufgebraucht sind.

Ein weiterer Vorteil der Aktion ist laut Bayer, dass die Contour Next Sensoren budgetschonend und wirtschaftlich bei vielen Primär- und Ersatzkassen verhandelt worden seien, etwa mit dem Verband der Ersatzkassen (vdek) und der Barmer GEK. Auch für Selbstzahler seien die modernen Teststreifen preisgünstiger.

Bayer hat bereits mehrere Anläufe genommen, um die Sparte an den Mann zu bringen. Im vergangenen Jahr brach der Umsatz von 722 auf 658 Millionen Euro ein. Es gibt inzwischen viele Anbieter auf dem Markt. Zu den großen Konkurrenten zählen Roche sowie Johnson & Johnson und Abbott. Um sich technologisch vorn abzusetzen, müsste Bayer investieren. Hierzulande ist das Geschäft seit dem weitgehenden Ausschluss aus der Erstattung und dem zunehmenden Druck auf die Ärzte schwierig geworden.

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