Wolfgang Pradella

Der Stahlschmied der Pharmaindustrie

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Berlin -

Bei der Berufswahl hat es für Wolfgang Pradella in der ehemaligen DDR keine Wahl gegeben. Der heute 52-Jährige sollte in die Stahlindustrie. „Der Wunsch, Nachrichtentechnik zu studieren, ging aus gesellschaftspolitischen Gründen nicht in Erfüllung“, sagt er. Nach der Wende wechselte er in die Pharmabranche und machte sich zuletzt im Bereich Produkteinführungen selbstständig. Dieses Metier ist jedoch kostspielig, weshalb er mit einem zweiten Standbein zurück in die Stahlindustrie wechselte – mit der Übernahme einer kompletten Schmiede.

Die Gesenk- und Freiformschmiede im sächsischen Großenhain (GGF-Schmiede) gehört Pradella seit 2017. Zu dem Unternehmen mit rund 150 Mitarbeitern kam der gebürtige Sachse per Zufall. Seine Bankberaterin vermittelte den Kontakt mit dem früheren Eigentümer. Die beiden verstanden sich gut und Pradella begann 2016, in der Schmiede mitzuarbeiten. Zunächst ohne Gehalt, wie er betont.

Pradella kehrte damit zurück zu seinen Wurzeln. 1983 begann er seine Ausbildung im Stahlwerk in Riesa. Als Ausbildungsbester durfte er im Anschluss auf die Fachhochschule und studierte Maschinenbau. Bis zur deutschen Wiedervereinigung war er in der Schwerindustrie tätig. Damals jedoch ohne Leidenschaft: „Ich wollte das nicht machen. Stahl war für mich schmutzig und mit Grobheit verbunden“, sagt er. Zuletzt war er als Schichtarbeiter für die energetischen Anlagen und die Produktionsprozesse verantwortlich.

Mit der Wende wechselte er in die Pharmabranche. Bis 1994 war Pradella als Vertriebsleiter für Sebapharma in den neuen Bundesländern in Apotheken und Drogerien unterwegs. „Die Arbeit für einen Mittelständler war nachhaltig und ich habe mich dort sehr wohl gefühlt“, sagt er. Vom Firmengründer Dr. Heinz Maurer habe er viel gelernt. Doch finanziell konnte ihn das Familienunternehmen nicht halten. „Ich bin des Geldes wegen zu Gehe.“ Beim Stuttgarter Großhändler hielt es ihn ein Jahr.

Im Anschluss verließ er die Pharmabranche und war von 1995 bis 1997 für den Vertrieb von Dior- und Burberry-Modeschmuck tätig. Danach wechselte er für zwei Jahre in den Außendienst von Roche und vertrat Marken wie Priorin, Bepanthen und Ilja Rogoff. 1999 zog es ihn zurück zu Gehe, wo er zuletzt als Regionalleiter für Ostdeutschland zuständig war. „Ich habe 2006 gekündigt, da ich nicht mehr für einen Konzern arbeiten wollte.“ Pradella machte sich mit der Firma Pharma Solutions selbstständig. Mit dem Berliner Unternehmen betreute er Produktentwicklungen wie Doctan und beschäftigte 20 Mitarbeiter.

In den vergangenen zwei Jahren zog es ihn wieder zu seinen beruflichen Wurzeln. „Ich habe mich etwas aus der Produktentwicklung zurückgezogen“, sagt er. Seit Ende 2017 führterauch das1896 gegründete Traditionsunternehmen in Großenhain. Die Firma konstruiert und schmiedet Spezialteile unter anderem für die Zug-, Schiffs- und Bergbauindustrie. „Ich bin tagtäglich mit Helm in der Firma unterwegs“, sagt er.

Verbindungen zur Pharmabranche sieht der Vertriebsexperte unter anderem in der strengen Kontrolle: „Wir beziehen Stahl nur von zertifizierten Lieferanten und legen großen Wert auf Analysen.“ Die Werkzeuge stehen wegen der Gefahr von Industriespionage unter Verschluss. Bei Pradella bestellen Technologiekonzerne aus der ganzen Welt. Die Produkte werden in Maschinen auf allen Kontinenten eingesetzt. „Das ist ein cooles Gefühl“, sagt er. Wer die Kunden sind, darf er nicht verraten.

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