Wolfgang Pradella

Der Stahlschmied der Pharmaindustrie Carolin Bauer, 14.08.2018 07:58 Uhr

Berlin - Bei der Berufswahl hat es für Wolfgang Pradella in der ehemaligen DDR keine Wahl gegeben. Der heute 52-Jährige sollte in die Stahlindustrie. „Der Wunsch, Nachrichtentechnik zu studieren, ging aus gesellschaftspolitischen Gründen nicht in Erfüllung“, sagt er. Nach der Wende wechselte er in die Pharmabranche und machte sich zuletzt im Bereich Produkteinführungen selbstständig. Dieses Metier ist jedoch kostspielig, weshalb er mit einem zweiten Standbein zurück in die Stahlindustrie wechselte – mit der Übernahme einer kompletten Schmiede.

Die Gesenk- und Freiformschmiede im sächsischen Großenhain (GGF-Schmiede) gehört Pradella seit 2017. Zu dem Unternehmen mit rund 150 Mitarbeitern kam der gebürtige Sachse per Zufall. Seine Bankberaterin vermittelte den Kontakt mit dem früheren Eigentümer. Die beiden verstanden sich gut und Pradella begann 2016, in der Schmiede mitzuarbeiten. Zunächst ohne Gehalt, wie er betont.

Pradella kehrte damit zurück zu seinen Wurzeln. 1983 begann er seine Ausbildung im Stahlwerk in Riesa. Als Ausbildungsbester durfte er im Anschluss auf die Fachhochschule und studierte Maschinenbau. Bis zur deutschen Wiedervereinigung war er in der Schwerindustrie tätig. Damals jedoch ohne Leidenschaft: „Ich wollte das nicht machen. Stahl war für mich schmutzig und mit Grobheit verbunden“, sagt er. Zuletzt war er als Schichtarbeiter für die energetischen Anlagen und die Produktionsprozesse verantwortlich.

Mit der Wende wechselte er in die Pharmabranche. Bis 1994 war Pradella als Vertriebsleiter für Sebapharma in den neuen Bundesländern in Apotheken und Drogerien unterwegs. „Die Arbeit für einen Mittelständler war nachhaltig und ich habe mich dort sehr wohl gefühlt“, sagt er. Vom Firmengründer Dr. Heinz Maurer habe er viel gelernt. Doch finanziell konnte ihn das Familienunternehmen nicht halten. „Ich bin des Geldes wegen zu Gehe.“ Beim Stuttgarter Großhändler hielt es ihn ein Jahr.

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