Copeia: Start-up bündelt Cannabis-Wissen für Apotheken

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Berlin -

Viereinhalb Jahre nach ihrer Einführung stehen der medizinischen Cannabis-Versorgung noch mit Vorbehalte und vor allem Wissenslücken bei den Leistungserbringern entgegen. Apotheken- und Praxisteams sind nicht geübt darin, mit dem komplexen Wirkungsprofil im Kontext unterschiedlicher Indikationen umzugehen. Hinzu kommt ein immer unübersichtlicherer Markt. Aus dem Umfeld der auf Cannabis spezialisierten Apotheke Lux99 ist deshalb mit Copeia ein Start-up hervorgegangen, das Ärzt:innen und Apotheker:innen ermöglichen will, Patient:innenen einfach und schnell die richtige Medikation zukommen zu lassen – und dass die Kasse es dann auch zahlt.

Nur 2000 bis 3000 Apotheken in Deutschland gelten als spezialisiert auf Cannabis, bei den Ärzten ist der Anteil an der Gesamtzahl sogar noch geringer. Die Gründe sind vielfältig und erschöpfen sich längst nicht in den oft genannten Vorbehalten gegenüber der Pflanze. Vielmehr ist Cannabis mit seinem komplizierten Wirkungsprofil und seiner komplexen chemischen Zusammensetzung kein Fachgebiet, auf dem sich die Leistungserbringer selbstverständlich sicher bewegen. Im Gegenteil: Nicht zuletzt, weil es in der Ausbildung der allermeisten Approbierten (noch) keine Rolle gespielt hat, ist die Unsicherheit groß. Hinzu kommt die unverhältnismäßige Bürokratie bei Cannabis-Verordnungen – nicht zuletzt die komplexen Vorab-Genehmigungsanträge bei den Krankenkassen, von denen beinahe jeder dritte abgelehnt wird. Und dann ist da noch der kontinuierlich wachsende Markt: Selbst Apotheken, die regelmäßig Cannabis abgeben, haben es schwer, unter der stetig steigenden Zahl an Anbietern und Sorten den Überblick zu behalten.

Tobias Loder waren die Probleme bestens bekannt, denn er ist Inhaber der Apotheke Lux99, die mit Cannabis-Apotheke.de zu den Vorreitern der Cannabisversorgung in Deutschland gehört. „Tobias habe ich das erste Mal bei der International Cannabis Business Conference 2018 gesehen, als er dort gesprochen hat. Da wurde mir erst so richtig klar, welche Rolle der Apotheker einnimmt und dass er im Grunde die entscheidende Instanz in dem ganzen Gebilde ist“, sagt Copeia-Geschäftsführer Garvin Hirt.

Der studierte Kommunikationsdesigner ist durch seine eigene Geschichte auf den Gedanken gekommen, sich mit medizinischem Cannabis auseinanderzusetzen. „Ich bin einem Arzthaushalt aufgewachsen und seit 20 Jahren auf die Entwicklung userfokussierter Digitallösungen spezialisiert“, erzählt er. Eine eigene Erkrankung und die Therapie mit Cannabis habe ihm dann das Potenzial der Pflanze vor Augen geführt. Neben der praktischen und der technischen Expertise fehlte noch die wissenschaftliche: Die bringt der dritte Partner ein, Assaf Landschaft. Der in Tel Aviv, Harvard und an der Boston University ausgebildete Software-Ingenieur und Data Scientist ist auf KI und Machine Learning im medizinischen Bereich spezialisiert, hat dutzende wissenschaftliche Publikationen mitverfasst und bereits zahlreiche Algorithmen entwickelt, die Krankheitsbilder auswerten. „Im Grunde versteht seine Software, Krankenberichte richtig zu lesen. So werden in den USA heute schon Millionen von Patientendaten ausgewertet, vor allem an der Harvard Medical School“, sagt Hirt.

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