Boehringer bringt Beipackzettel in Gebärdensprache

, Uhr
Berlin -

Wird ein Medikament in der Apotheke gekauft, werfen viele Patient:innen Zuhause gerne nochmal einen Blick in den Beipackzettel. Für die meisten ist dieser Service selbstverständlich. Für gehörlose Menschen können die Informationen jedoch schwer zugänglich sein, denn viele von ihnen lernen zwar die Laut- und Schriftsprache – medizinische Fachbegriffe stellen aber häufig eine Herausforderung dar. Boehringer Ingelheim hat nun als erstes Pharmaunternehmen eine Lösung geschaffen.

Dosierung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen – der Blick in den Beipackzettel gibt alle wichtigen Informationen über ein Arzneimittel. Für gehörlose Menschen kann es jedoch zu Hürden beim Verständnis der komplexen und lebenswichtigen Informationen kommen. Denn ihre Muttersprache ist meist die Gebärdensprache. Viele Betroffene lernen zwar die „normale“ Laut- und Schriftsprache, die Verständigung kann jedoch schwierig sein.

Boehringer Ingelheim möchte seine Beipackzettel künftig barrierefrei gestalten und dafür sorgen, dass die Informationen auch für Menschen mit Behinderungen einfach und verständlich zur Verfügung stehen. Dafür hat das Unternehmen nun einen Gebärdensprach-Avatar in den Beipackzettel integriert: „Er übersetzt und erklärt komplexe Begriffe zur Anwendung
und Handhabung des Medikaments in animierter Gebärdensprache und bietet ein umfassendes Lexikon für spezifische Fachbegriffe“, erklärt der Hersteller.

QR-Code führt zu Erklärvideos

Der Zugang erfolgt über einen QR-Code im Beipackzettel. Dieser lässt sich ganz einfach mit dem Smartphone scannen und leitet automatisch auf eine Website weiter. Dort finden sich Erklärvideos mit und ohne Gebärdenübersetzer. Das Angebot wird seit kurzem in einem ersten Beipackzettel in deutscher Sprache getestet – weitere sollen folgen. „Wir wollen Barrieren ab- und Brücken aufbauen. Es freut uns sehr, mit dieser neuen Anwendung unsere Produkte ohne Hürden und leicht verständlich für gehörlose Patientinnen und Patienten zugänglich zu machen", so Olaf Guttzeit, Inklusionsbeauftragter bei Boehringer Ingelheim in Deutschland.

Bei Umsetzung der Technik wird Boehringer Ingelheim vom Software-Dienstleister Sign Time aus Österreich unterstützt. Der animierte Avatar ist mit einem Computerprogramm kombiniert, welches stetig lernt und den Sprachschatz automatisch erweitert. „Mit unserem Angebot setzen wir uns dafür ein, die Welt für Gehörlose barrierefrei zu machen. Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es kein weiteres Pharmaunternehmen, das mittels eines Avatars die komplexen Produktinformationen so einfach für Gehörlose bereitstellt“, erklärt Georg Tschare, Geschäftsführer von Sign Time.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Weiteres
NNF schüttet an Apotheken aus
75 Millionen für TI-Aufwendungen»
Arztpraxen, Kliniken und Pflegeheime
Noch keine Kündigungen wegen Impfpflicht»
„Es ist schwierig, das Abwerben hinterher zu belegen“
Apotheker enttäuscht: Drei Angestellte abgeworben»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»