Apothekenkooperationen

Apotheker kapert Vivesco-Kreuz

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Berlin -

Beim Wechsel von Vivesco zu Alphega sind nicht alle Apotheken Alliance Healthcare treu geblieben. Karsten Hitzemann hat sich gegen das Konzept aus England entschieden und die Kooperation des Frankfurter Großhändlers verlassen. Am Markenkonzept hat der Pharmazeut aber nicht viel verändert. Das blaue Kreuz vor gelben Hintergrund hat er behalten und seinen Namen eingefügt. Bei Alliance Healthcare sieht man die Ähnlichkeit zu Vivesco gelassen.

Hitzemann war Vivesco-Apotheker der ersten Stunde. In Stuttgart leitete er seine drei Apotheken im Bezirk Feuerbach unter der ehemaligen Anzag-Marke. Als die Umstellung zu Alphega kommen sollte, war die Partnerschaft für ihn beendet. „Ich wollte nicht grün werden“, sagt er. Für die Kunden sei der Wechsel letztlich nur verwirrend. Das Motto „Wir wollen Sie gesund“ hat er nicht übernommen.

Statt Vivesco führt er jetzt seinen Namen mit dem Slogan „Immer wieder gerne!“ im Logo. „Nicht Vivesco oder Alphega, sondern ich bin für den Kunden die Marke“, sagt er. Wichtig sei nicht, was am Eingang stehe, sondern wie das Team in der Apotheke funktioniere. „Die persönliche Beratung machen wir astrein“, so Hitzemann.

Den neuen Markenauftritt hat er juristisch prüfen lassen. Das Gelb sei neutral, sagt er. Für die Farbe gebe es kein Copyright. Rückblickend war er mit Vivesco insgesamt nicht zufrieden. Das Konzept sei nicht konsequent gewesen, kritisiert er. Der versprochene bundesweite Markenauftritt sei nicht umgesetzt worden. Zufrieden war er mit den Marketingangeboten.

Auf eine Kooperation will Hitzemann jetzt verzichten: Unterstützung bei Einkaufsverhandlungen mit der Industrie benötige er nicht. Schon beim mittlerweile insolventen Bestellportal Dedendo hatte er nicht mehr mitgemacht. Als Lieferanten hat er Alliance aber beibehalten.

Vor Vivesco war Hitzemann auch Mitglied bei der zur Kohl-Gruppe gehörenden Kooperation Avie und dazwischen auch ohne Dachmarke unterwegs. Apothekenkooperationen in Deutschland prognostiziert er eine düstere Zukunft: Dafür seien die Kollegen viel zu unterschiedlich und eigentümlich, sagt er.

Der Frankfurter Großhändler hat kein Problem mit der Anlehnung an Vivesco: Solange er kein Alphega-Mitglied sei und die Marke Vivesco nicht mehr verwende, könne er beim Gelb bleiben, sagt Vorstandsmitglied Jan-Detlef Wohlert. Der Apotheker sei frei in seiner Gestaltung. Außerdem schieße man nicht auf eigene Kunden.

Die Umbenennung der Kooperation von Vivesco in Alphega ist laut Wohlert bei allen Partnerapotheken nahezu abgeschlossen. Derzeit gebe es rund 1700 aktive Mitglieder, die das Konzept aber nicht alle nach außen tragen. Das Konzept beinhaltet zwei verschiedene Modelle. Apotheker, die die Basisstufe gewählt hätten, führten eine geringere Etikettierung.

Die monatliche Gebühr liegt abhängig je nach Mitgliedsstufe zwischen 145 und 500 Euro. Club-Mitglieder profitierten unter anderem von einer Rückvergütung, die zur Beitragssenkung von bis zu 200 führen könne.

Der neue Markenauftritt war im Frühjahr 2014 mit exakt der benötigten Mehrheit der Stimmen beschlossen worden. Im darauf folgenden Juli wurde die Kooperation offiziell umbenannt. Alphega ist die Apothekenkooperation von Alliance Boots. Die ersten Mitgliedsapotheken eröffneten 2001 in Frankreich, weitere folgten in Großbritannien, Spanien, Italien, Russland und Tschechien. Heute gibt es laut Alliance Boots rund 6500 Alphega-Apotheken.

Die Anzag-Kooperation Vivesco wurde 2003 gegründet. Zu Höchstzeiten zählte sie 1100 Mitgliedsapotheken, zuletzt waren es rund 900. Ende 2010 hatte Alliance Boots die Anzag mehrheitlich übernommen. Seit April 2013 firmiert der Großhändler offiziell unter dem Namen Alliance Healthcare Deutschland.

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