Genossenschaftsbanken

Apobank: Dickes Plus für Aufsichtsräte

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Berlin -

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) zahlt ihren Aufsichtsräten eine höhere Aufwandsentschädigung: Die Vertreter der Ärzte, Zahnärzte und Apotheker als Eigentümer sowie die der Angestellten bekommen durchschnittlich 31 Prozent mehr Geld. Dadurch sollen „die gestiegene Verantwortung und der größere Tätigkeitsumfang sachgerecht widergespiegelt und der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens Rechnung getragen werden“. Seit 2010 haben sich die Bezüge verdoppelt.

Laut Apobank war die Vergütung für die Aufsichtsräte zuletzt bei der Vertreterversammlung 2010 angepasst worden. In der Zwischenzeit habe sich die Diskussion um Verantwortlichkeiten und Haftungsfragen weiter verschärft; dabei sei vielfach auch die Kompensation für die Mandatsträger angepasst worden.

Ein externes Gutachten sei zu dem Schluss gekommen, dass die Apobank mittlerweile unter dem Niveau vergleichbarer Institute liege. „Dementsprechend hat die Beratungsgesellschaft empfohlen, eine Anhebung der Bezüge von 25 bis 35 Prozent vorzunehmen, um eine Positionierung der Aufsichtsratsbezüge im relevanten Marktrahmen zu erreichen“, heißt es in der Begründung eines Antrags, den die Vertreterversammlung am Freitag durchwinkte.

Demnach wird die Festvergütung linear auf 16.000 Euro pro Jahr angehoben; der Aufsichtsratsvorsitzende erhält das Doppelte, sein Stellvertreter das Anderthalbfache. Das Sitzungsgeld steigt auf 1200 Euro; bei routinemäßig vier Treffen kommen so 4800 Euro zusammen.

Für die Mitgliedschaft in den Ausschüssen gibt es zwischen 5000 und 10.000 Euro; die Vorsitzenden erhalten das Doppelte. Mehr als 32.000 Euro dürfen so nicht zusammen kommen. Bei der Apobank gibt es einen Personalausschuss, einen Vermittlungsausschuss, einen Prüfungs-, Kredit- und Risikoausschuss, einen Nominierungs- und Präsidialausschuss sowie einen Vergütungskontrollausschuss. Der Regulierungsausschuss, der sich mit den Verfahren gegen die ehemaligen Vorstände beschäftigte, wurde mittlerweile aufgelöst.

Zusätzlich übernimmt die Apobank die Reise- und Übernachtungskosten „in angemessener Höhe“. Auch eventuell anfallende Umsatzsteuer wird erstattet, die Prämien für die Haftpflichtversicherung (D&O-Versicherung) zahlt ebenfalls die Bank.

Im vergangenen Jahr hatten die Aufsichtsratsmitglieder insgesamt 852.000 Euro erhalten, fast 11 Prozent mehr als 2013. Im Vergleich zu 2010 haben sich die Bezüge fast verdoppelt – im gleichen Zeitraum sank die Bilanzsumme aber um 10 Prozent auf 35,1 Milliarden Euro, was auch auf den Abbau der strukturierten Wertpapiere zurückzuführen ist. Zum Vergleich: Bayer zahlte seinen Aufsichtsräten zuletzt 3,3 Millionen Euro, bei einer Bilanzsumme von 70 Milliarden Euro. Beide Werte entwickelten sich seit 2010 annähernd parallel mit einem Plus von etwas mehr als einem Drittel.

Insgesamt gehören dem Aufsichtrat der Apobank 21 Mitglieder an, darunter zehn Arbeitnehmervertreter, ein Vertreter der leitenden Angestellten, ein Wirtschaftsprüfer sowie je drei Ärzte, Zahnärzte und Apotheker. Für die Pharmazeuten sprechen ABDA-Präsident Friedemann Schmidt, der DAV-Vorsitzende Fritz Becker sowie dessen Vorgänger Hermann Stefan Keller, der sogar Vorsitzender des Kontrollgremiums ist. Nicht immer funktioniert das Modell: Als unlängst Apotheker im Zusammenhang mit unzulässigen Kreditgebühren bei ihren Vertretern nachfragten, schwiegen diese sich zu der Angelegenheit einfach aus.

Vor einem Jahr hatte sich das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) kritisch zur Besetzung der Aufsichtsräte von Genossenschaftsbanken geäußert. Trotz eines hohen allgemeinen Ausbildungsstands – 52 Prozent haben ein Studium abgeschlossen – verfügten nur wenige Mitglieder in den Kontrollorganen von Banken über branchenspezifische Fachkompetenz, so das RWI. Während bei den Privatbanken immerhin noch 80 Prozent der Aufsichts- und Verwaltungsräte einen finanzwirtschaftlichen Hintergrund hätten, seien es bei den Genossenschaftsbanken nur 7,3 Prozent.

Seit der Finanzkrise hatte die Apobank einen hohen dreistelligen Millionenbetrag abschreiben müssen. Die Mitglieder hatten vorübergehend auf die Dividende verzichten müssen. Während der Vorstand vor Gericht gezerrt wurde, wurde kein Aufsichtsrat zur Rechenschaft gezogen.

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