Umgehung des Fremdbesitzverbots

Zur Rose schickt OTC von Portugal nach Spanien

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Berlin -

Mit dem Kauf von Promofarma hatte sich Zur Rose 2018 Zugang zum spanischen Apothekenmarkt verschafft. Doch jetzt macht der DocMorris-Mutterkonzern seinen Apothekenpartnern, die über die Plattform Geschäfte machen, Konkurrenz: Von Portugal aus verschickt Zur Rose aus einer Apotheke seit Kurzem selbst OTC-Medikamente über die Grenze – analog zur deutsch-niederländischen Konstruktion.

In Spanien gibt es ein Fremdbesitzverbot, daher konnte Zur Rose keine Apotheke übernehmen, um als Versandhändler aktiv zu werden. Doch mit Promofarma sah sich Zur Rose gut aufgestellt. 51 Millionen Franken zahlte der Konzern für die 2012 in Barcelona gegründete Plattform, einerseits schielte das Management auf die Technologie, andererseits auf zusätzliche Umsätze.

Neben diversen Herstellern verkaufen auch Apotheken über die Plattform tausende Gesundheits- und Beautyprodukte, nach Unternehmensangaben in mehr als 20 Länder. Die in Frankreich gekaufte Plattform Doctipharma wurde bereits integriert. Wegen drastisch gekürzter Marketingausgaben waren die Erlöse für den Konzern zuletzt allerings um 14 Prozent auf 71 Millionen Franken rückläufig, 24 Millionen Franken an Firmenwert mussten im Dezember abgeschrieben werden.

„Unser Algorithmus sucht die beste und günstigste Option unter 1000 Apotheken“, verspricht die Plattform, die mittlerweile mit dem Zusatz „by DocMorris“ und dem entsprechenden Logo versehen ist. „Wir optimieren Ihren Warenkorb, damit die Endsumme der Bestellung so niedrig wie möglich ist.“ Promofarma ist aber mehr als ein Marktplatz, denn die auch die Abholung bei der Apotheke und die Lieferung der Bestellung an die gewünschte Adresse werden organisiert.

Umso überraschender war es, dass Zur Rose im Herbst 2021 die portugiesische Firma Helena Abreu kaufte, die in Montemor-o-Novo rund 100 Kilometer östlich von Lissabon die Farmácia Central betreibt. In Portugal war das Fremdbesitzverbot im Sommer 2007 zwar gefallen; jedermann darf seitdem bis zu vier Apotheken betreiben. Allerdings gibt es erhebliche Einschränkungen im Versandhandel, der im Grunde nur im direkten Einzugsgebiet der Apotheke erlaubt ist.

Was also wollte Zur Rose mit der Übernahme erreichen, die dem Konzern nur eine versteckte Erwähnung im Finanzbericht wert war? Der Kaufpreis war mit 176.000 Franken geradezu lächerlich, wenngleich auch Schulden von umgerechnet 1,2 Millionen Franken übernommen wurden. „Hier handelt es sich um eine Erweiterung der Präsenz im Segment Europa“, so eine Sprecherin damals auf Nachfrage.

Doch jetzt hat sich das Geheimnis gelüftet: Vom Warenlager der Apotheke aus wird seit August der grenzüberschreitende Versand von OTC-Produkten nach Spanien erprobt. Auf Promofarma ist die vermeintlich kleine Apotheke ebenfalls vertreten, und auch der Webshop von DocMorris in Portugal wird von ihr betreut.

Ein besonderer Nebeneffekt: Der Versand von OTC-Medikamenten ist zwar in Spanien erlaubt. Aber die Apotheken vor Ort dürfen die Preise nur um maximal 10 Prozent reduzieren. Womöglich wird auch hier die Preisbindung mit der grenzüberschreitenden Konstruktion gezielt angegriffen.

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