Versandapotheken

Brillenkönig macht Zur Rose Konkurrenz

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Berlin -

In der Schweiz muss sich Zur Rose künftig einem finanzkräftigen Konkurrenten stellen: Der Gründer der Optikerkette Visilab, Daniel Mori, steigt mit der belgischen Versandapotheke Newpharma in den Onlinehandel ein. Im April soll die Kooperation starten. Im Markt gab es schon seit längerer Zeit Spekulationen über den Start Moris ins Pharmageschäft.

„Wir haben eine Langzeitvereinbarung getroffen“, bestätigte Jérôme Gobbesso, Chef von Newpharma, die Zusammenarbeit gegenüber der Handelszeitung. Danach sollen in einem ersten Schritt pharmanahe Produkte in der Schweiz über das Internet angeboten werden, weil die Zulassung als Versandapotheke noch nicht vorliegt. Anschließend sollen OTC-Arzneimittel sowohl landesweit online als auch in Geschäften in der französischsprachigen Schweiz verkauft werden. „Der Genehmigungsprozess ist aufwendig und langwierig“, sagt Mori.

Mori hatte vor 30 Jahren die Optikerkette Visilab gegründet und im Herbst die Mehrheit der Anteile an die niederländische Grandvision verkauft. Seitdem hielten sich Gerüchte über die Gründung einer eigenen Internetapotheke. Jetzt hat Mori mit Newpharma dafür einen Partner gefunden.

Die Handelszeitung beziffert den Versandhandel mit OTC-Arzneimitteln in der Schweiz auf knapp 600 Millionen Franken. Platzhirsch ist Zur Rose mit fast 90 Prozent Marktanteil: „Das zeigt nur, wie viel Potenzial in diesem Markt steckt“, so Mori zur Handelszeitung. Das Apothekengeschäft ist Mori nicht ganz fremd. Seit Jahrzehnten kooperiert er mit seinem Cousin Jean-Philippe de Toledo, der die Apothekenkette Pharmacie Principale (PP) mit acht Filialen in der französischsprachigen Schweiz führt. De Toledo ist Apotheker mit acht Standorten.

Groupe PP wurde 1912 von den Familien de Toledo und Mori in Genf unter dem Namen Pharmacie Principale als Apotheke gegründet. Diese entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer Kette und später durch den Einstieg in verschiedene Gesundheitsbereiche zu einer Unternehmensgruppe. Groupe PP ist über Tochtergesellschaften in verschiedenen Bereichen tätig, von der Apothekenkette bis hin zum Optikhändler.

Hinter Newpharma stehen nach Darstellung der Handelszeitung potente Investoren. Gobbesso verkaufte zuletzt 65 Prozent der Anteile an das börsennotierte Milliardenunternehmen Colruyt Group und an das Family Office Korys der gleichnamigen Gründerfamilie Colruyt.

Die Colruyt Group gehört zu den größten Einzelhändlern Europas mit 29.000 Mitarbeitern und fast 10 Milliarden Euro Umsatz. Seinen Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen mit Supermärkten, Kleidung, Kinderartikeln und anderen Produkten. Rund 30.000 Artikel zählen zum Sortiment. Das Ergebnis vor Steuern lag in den letzten Jahren regelmäßig um 500 Millionen Euro. Damit dürfte die Colruyt Group die nötige Finanzstärke mitbringen, um zunächst in der Schweiz Zur Rose Paroli bieten zu können.

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