Heilpflanzen gegen Erkältung

Primelwurzel: Gelbes Hustenwunder

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Berlin -

Die Primel findet während einer Erkältung vor allem bei Husten ihren Einsatzbereich. Aufgrund ihrer gelben, zusammenhängenden Blütenkelche, die optisch einem Schlüsselbund ähneln, wird sie häufig auch als Schlüsselblume bezeichnet. Es gibt über 900 Primel-Arten – als Arzneipflanze werden jedoch nur die Arten Primula veris und Primula elatior eingesetzt.

Während einer Erkältung kommt es häufig zu produktivem Husten mit Auswurf. Um das Sekret zu lösen, kann die Schlüsselblume zum Einsatz kommen. Für die schleimlösende Wirkung sind vor allem Triterpensaponine verantwortlich – im besonderen Primulasaponin und Primacrosaponin. Sowohl in den Blüten der Pflanze wie auch in der Wurzel sind diese Stoffe enthalten. Meist wird jedoch die Primelwurzel für therapeutische Zwecke verwendet, da die Konzentrationen hier mit bis zu 10 Prozent wesentlich höher sind.

Die enthaltenen Saponine der Primel wirken sekretolytisch und expektorierend: Sie regen die Bildung von dünnflüssigem Sekret an, welches dafür sorgt, dass der zähflüssige Schleim in den Bronchien verflüssigt wird und besser abtransportiert werden kann. Außerdem werden der Pflanze entzündungshemmende Wirkungen zugeschrieben. Diese sollen auf dem Inhaltsstoff Methylsalicylat beruhen: Er soll während der Lagerung der Primelwurzel aus dem Phenylglykosid Primulaverin entstehen. Daher wird die Primelwurzel vor allem bei produktivem Husten, Katarrhen der Luftwege sowie bei chronischer Bronchitis eingesetzt.

Der genaue Wirkmechanismus der enthaltenen Saponine ist bisher noch nicht eindeutig geklärt. Experten gehen davon aus, dass es sich um eine reflektorische Wirkung handelt: Aufgrund ihrer schleimhautreizenden Eigenschaften wird bei der Einnahme der Magen gereizt. Dieser Impuls wird über das vegetative Nervensystem wahrscheinlich bis zur Schleimhaut der Bronchien weitergeleitet, wo es dann schließlich zur vermehrten Produktion von dünnflüssigem Schleim kommt.

Aufgrund dieser reizenden Eigenschaften kann die Primelwurzel bei empfindlichen Personen oder bei Überdosierung zu Magenbeschwerden wie Bauchschmerzen und Übelkeit führen. Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt. Schwangere sollten jedoch auf die Heilpflanze verzichten, da es keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit gibt.

Die Primelwurzel kommt meist in Kombination mit anderen Arzneipflanzen zum Einsatz, die ähnliche Effekte besitzen und sich in den Wirkungen ergänzen. Die Pflanze kann aber auch als Teedroge verwendet werden: Die empfohlene Tagesdosis beträgt 0,5 bis 1,5 g Droge. Arzneitees sind eine sinnvolle Therapiemöglichkeit bei leichten bis mittelschweren Symptomen, können aber auch eine Ergänzung zu verordneten Therapien sein. Zur Teebereitung wird eine Teelöffelspitze Primelwurzel mit 200 ml siedendem Wasser übergossen und nach etwa 10 bis 15 Minuten abgeseiht. Alternativ kann auch mit kaltem Wasser angesetzt und anschließend bis zum Sieden erhitzt werden. Bei dieser Zubereitungsart sollte der Tee jedoch nur etwa fünf Minuten ziehen.

Die Primelwurzel kann jedoch auch bei der Teezubereitung mit anderen Arzneipflanzen kombiniert werden: Geeignet sind beispielsweise Eibischwurzel und Isländisch Moos aufgrund ihrer reizlindernden Eigenschaften durch Schleimstoffe. Süßholzwurzel wirkt ebenfalls sekretolytisch, expektorierend und spasmolytisch durch enthaltene Flavonoide, Phytosterole und Cumarine, Thymiankraut hat bronchospasmolytische, expektorierende und antibakterielle Eigenschaften, welche durch ätherisches Öl mit Thymol, Carvacrol, Pinen, Borneol und Gerbstoffe entstehen.

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