Nicht so keimarm wie man lange dachte 

Mikrobiom der Lunge APOTHEKE ADHOC, 11.04.2020 09:39 Uhr

Funktion und Veränderungen des Lungenmikrobioms

Jahrelang lernten Medizinstudenten, dass das Organ quasi steril sei. Mittlerweile weiß man, dass die Lunge ebenfalls von einem Mikrobiom besiedelt ist, welches verschiedene Aufgaben übernimmt. Die Keime scheinen in Verbindung mit anderen Organen zu stehen. Die gesamten Funktionen des Lungenmikrobioms sind noch nicht abschließend geklärt – wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema sind im Vergleich noch sehr jung.

Das gewisse Erkrankungen das Mikrobiom stören können, ist mittlerweile nachgewiesen. Aber auch das Gegenteil wird untersucht: Erste Analysen legen beispielsweise nahe, dass das Mikrobiom ein mitwirkender Auslöser für COPD sein könnte. Bei dieser Erkrankung konnte auch gezeigt werden, dass die Zusammensetzung der Lungenflora mit Exazerbationen zusammenhängt.

2017 zeigte eine Arbeitsgruppe um Alexander Dalpke, dem stellvertretenden ärztlichen Direktor der Abteilung medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Heidelberg, dass eine Infektion mit Pseudomonas aeruginosa das Mikrobiom in der Lunge von Patienten mit zystischer Fibrose verändert – unabhängig vom Alter. Ebenfalls interessant: Die Forscher konnten zeigen, dass das Mikrobiom der Lunge aus mehr als 100 verschiedenen, für jeden Patienten individuellen Keimarten bestehen kann. Die Forscher wollten wissen, ob das Mikrobiom Auslöser für die krankhafte Besiedlung war, oder ob die krankhafte Besiedlung dazu führte, dass sich die Flora veränderte. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss: „Unsere Befunde zeigen, dass Mikrobiom-Veränderungen die Folge, nicht aber die Ursache einer Infektion mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa sind“, erläuterte Dalpke.

Der Krankheitsverlauf von Intensivpatienten scheint sich anhand des Lungenmikrobioms besser einschätzen zu lassen. Durch dokumentierte Veränderungen des Lungenmikrobioms könnte das Ansprechen von schwer erkrankten, mechanisch beatmeten Patienten auf eine intensivmedizinische Versorgung besser vorhergesagt werden. In einer Studie, in der Wissenschaftler aus Michigan, Amsterdam und Bangkok Daten zu intensivmedizinisch versorgten Patienten auswerteten, konnte diese Annahme bestätigt werden. Die Studie wurde im Journal of Respiratory and Critical Care Medicine online am 21.1.2020 veröffentlicht.

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