Erkältungstipps

Anatomische Erkältungsreise: Mandeln und Polypen

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Berlin -

Die Mandeln dienen der Immunabwehr. Früher wurden sie bei häufig wiederkehrenden Entzündungen operativ entfernt, heute wird dieser Eingriff seltener durchgeführt. Die Rachenmandel sorgt meist im Kindesalter für Probleme, da sie sich vergrößert und häufig entzündet. Eine Rachenmandelvergrößerung wird im Volksmund als Rachenpolypen bezeichnet. Nasenpolypen hingegen entwickeln sich aus chronisch entzündeter Schleimhaut der Siebbeinzellen oder Kieferhöhlen. Die Erkrankung wird meist operativ behandelt. Echte Nasenpolypen haben mit den Rachenmandeln nichts zu tun – umgangssprachlich werden beide Begriffe häufig parallel verwendet.

Anatomie

Mandeln
Die Mandeln sind ein spezielles Gewebe und gehören zum MALT-System (Mucosa- Associated Lymphatic Tissue). Hierunter werden alle Mucosa-assoziierten Lymphozyten und das lymphatische Gewebe der Schleimhäute zusammengefasst. Oftmals trennt das Gewebe nur durch eine einschichtige Schleimhaut-Zellschicht von der Außenwelt, somit unterliegt es einer hohen Pathogenexposition, aus der sich die Funktionen ableiten lassen.

MALT-Gliederung nach Region:

  • Tonsillen (NALT=Nasal-Pharyngeal-Associated Lymphoid Tissue )
  • Darm-assoziiertes lymphatisches Gewebe (GALT= Gut-Associated Lymphoid
  • Tissue )
  • Bronchial-assoziiertes lymphatisches Gewebe (BALT= Bronchus-Associated
  • Lymphoid Tissue)
  • Lymphatisches Gewebe des Urogenitaltraktes

Polypen

Polypen ist ein Überbegriff für spezielle Gewebe an verschiedenen Orten im Körper, so gibt es neben den Nasenpolypen beispielsweise auch Darm- oder Gebärmutterpolypen. In der Nase handelt es sich um ödematöses Quellgewebe der Nasennebenhöhlenschleimhaut. Diese benigne (gutartige) Schleimhautwucherung steht in keiner Verwandtschaft zu anderen Polypen.

Physiologie

Mandeln (Tonsillen)
Sie liegen als lymphoepitheliale Organe im Eingangsbereich von Mund- und Nasenhöhle zum Rachen. Sie dienen der Immunabwehr in dieser stark antigenexponierten Region. Die Gesamtheit aller Tonsillen bezeichnet man als Waldeyer-Rachenring.

Aufbau Waldeyer-Rachenring:

  • Rachenmandel (Tonsilla pharyngealis)
  • Gaumenmandel (Tonsilla palatina)
  • Zungenmandel (Tonsilla lingualis)
  • Tubenmandel (Tonsilla tubaria)
  • Seitenstränge

Polypen
Da es sich um krankhaft veränderte Schleimhaut (meist der Siebbeinzellen) handelt, haben Polypen an sich keine Funktion. Das Siebbein ist ein Knochen des Hirnschädels und liegt am Ende der Nasenhöhle. Die Hohlräume des knöchernen Labyrinthes nennt man Siebbeinzellen. Wie die anderen Nasennebenhöhlen, können auch sie sich entzünden. Eine solche Entzündung bezeichnet man als „Sinusitis ethmoidalis“. Bei chronischer Entzündung können Aussstülpungen und Wucherungen entstehen – diese Polypen führen dann zu einer eingeschränkten Atmung.

Pathophysiologie

Rachenmandelvergrößerung (adenoide Hyperplasie)
Es kann zu einer Vergrößerung des lymphatischen Gewebes kommen, insbesondere die Rachenmandel schwillt im Kindesalter häufig an. Eine Rachenmandelvergrößerung wird durch häufig wiederkehrende Atemwegsinfekte begünstigt. Starke Vergrößerungen können die Belüftungswege des Mittelohrs und die hinteren Nasenöffnungen blockieren. Folglich kann es zu wiederkehrenden Mittelohrentzündungen, Schnarchen und Mundatmung kommen. Letzteres führt wiederum zu trockenen Schleimhäuten – die Infektabwehr ist geschwächt. Typische Symptome sind dauerhafter Schnupfen sowie tastbare Lymphknoten im Kieferwinkel und im Nacken. Die Erkrankung kann Folgen für die Entwicklung von Gebiss, Gesicht und Gaumen haben.

Mandelentzündung (Tonsillitis, Angina tonsillaris)
Eine Entzündung der Mandeln kann viral (70 Prozent) oder bakteriell (30 Prozent) sein. Die Erreger bakterieller Entzündungen sind meist A-Streptokokken. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, zumeist erkranken jedoch Kinder. Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Große Menschenansammlungen fördern die Ausbreitung der Erkrankung. Die Erkrankung beginnt meist abrupt mit hohem Fieber von über 38,5 Grad.

Das Sprechen ist schmerzhaft und Erkrankte klingen zum Teil heiser, da sie bei leisem Sprechen weniger Schmerzen verspüren. Betroffene sind allgemein geschwächt und haben neben Hals- auch häufig Ohren- und Gliederschmerzen. Der Rachen ist gerötet und die Mandeln sind angeschwollen. Im fortgeschrittenen Stadium befinden sich Eiterstippen auf dem Gewebe. Schnupfen und Husten fehlen meist. Für die Diagnose und die richtige Behandlung ist insbesondere die Untersuchung der Mundhöhle, des Rachens und der Gaumenmandeln wichtig. Bei einer bakteriellen Infektion erfolgt die Behandlung mit einem Antibiotikum.

Polypen
Die Entstehung von Nasenpolypen ist noch immer unklar. Sie stehen oft in Zusammenhang mit einer chronischen Rhinosinusitis – ein entzündlicher Trigger wird vermutet. Häufig wird das Entstehen auch in Zusammenhang mit einer Allergie beobachtet. In bis zu 40 Prozent geht eine Polyposis nasi mit einem Asthma bronchiale einher. Bei einem Viertel aller Patienten liegt eine Acetylsalicylsäure-Intoleranz vor. Das sogenannte Samter-Trias bezeichnet eine Unverträglichkeitsreaktion nach der Einnahme von Acetylsalicylsäure oder anderen nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR).

Gering ausgeprägte Schwellungen können durch Einnahme von Glukokortikoiden (Nasensprays oder Tabletten) behandelt werden. Meistens ist eine chirurgische Therapie erforderlich, um die Nasenatmung uneingeschränkt wiederherzustellen. Auch der Geruchsverlust kann mit einer Operation behandelt werden. Die Durchführung erfolgt endonasal (durch die Nasenhöhlen) und in Allgemeinnarkose. Es handelt sich somit um einen minimalinvasiven Eingriff. Es werden Heilungsraten von etwa 50 Prozent erreicht. In 90 Prozent der Fälle erfahren die Patienten eine und eine Beschwerdebesserung. Nasenpolypen neigen zu Rezidiven, oftmals sind deshalb mehrere Operationen erforderlich. Ein neueres Verfahren, bei dem die Polypen per Laser abgetragen werden, soll geringere Rezidivraten aufweisen.

Beratung

Mandelentzündung
Der Erreger sollte ärztlich abgeklärt werden. Bakterielle Infektionen werden mit einem Antibiotikum behandelt. Gegen die Schmerzen und das Fieber können NSAID eingenommen werden. Bei Kindern unter zwölf darf keine Acetylsalicylsäure verabreicht werden. Auch Lokalanästhetika können die Schmerzen im Mund und Rachenraum lindern. Ein erhöhter Speichelfluss kann desinfizierend wirken. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, die Mund- und Rachenschleimhaut zu befeuchten, zum Beispiel mit Halstabletten wie GeloRevoice (Pohl Boskamp). Beim Lutschen wird das spezielle Revoice Hydro-Depot gebildet, dass sich wie ein Schutzfilm auf die trockene und gereizte Schleimhaut legt. Beschwerden wie Halskratzen, Hustenreiz und Heiserkeit werden gelindert.

Polypen
Innerhalb der Selbstmedikation können präoperativ nicht allzu viele Tipps gegeben werden. Eine adäquate Behandlung von wiederkehrenden Nebenhöhlenentzündungen kann die Entstehung von Nasenpolypen vermeiden. Auch der frühzeitige Gang zum Arzt kann eine Ausstülpung der Schleimhaut verhindern, denn dieser kann kortisonhaltige Nasensprays verschreiben. Freiverkäufliche Nasensprays sollten als Daueranwendung nicht empfohlen werden.

Zur Behandlung einer Nasennebenhöhlenentzündung eignen sich pflanzliche Präparate wie GeloMyrtol forte (Pohl Boskamp). Das enthaltene ELOM-080 ist ein Mischdestillat aus rektifiziertem Eukalyptusöl, Süßorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl. Der Wirkstoff löst den festsitzenden Schleim und verflüssigt ihn.

Postoperativ können Patienten die Rezidivrate durch die Einhaltung gewisser Verhaltensregeln minimieren. Neben einer intensiven Nasenpflege (Salben, Nasenspülungen, Inhalieren) zum Befeuchten der Nasenschleimhäute ist die Verwendung kortisonhaltiger Nasensprays ein wichtiger Faktor zur Prophylaxe. Das Nasenspray sollte für einen bestimmten Zeitraum nach dem Eingriff nach Anweisung des Arztes angewendet werden.

Die Anwendung von Nasensalben oder Ölen kann die Heilung der Nasenschleimhaut unterstützen. Der Arzt entscheidet, ab wann mit der Pflege begonnen werden darf. Das GeloSitin Nasenöl (Pohl Boskamp) kann Reizungen und Krustenbildungen mindern. Das enthaltene Sesamöl pflegt die Schleimhaut, die ätherischen Öle von Orange und Zitrone sorgen für einen angenehmen Geruch. Das Öl kann mehrmals täglich angewendet werden.

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