Von Chipkarte über Videosprechstunde bis KI

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Berlin -

Videosprechstunde, elektronische Patientenakte, Vernetzung des Gesundheitssystems: Die digitale Transformation im Gesundheitswesen braucht nach Expertenmeinung vor allem Zeit – und die Bereitschaft der Ärztinnen und Ärzte, sich darauf einzulassen.

„Die große Herausforderung ist, die Bereitschaft bei Ärztinnen und Ärzten zu wecken, erst mal in die Transformation zu investieren – am Ende auch Geld, um dann eine ganze Zeit später überhaupt erst einen Eigennutzen zu haben“, sagte Prof. Fabian Schmieder, Vizepräsident für Digitalisierung und IT an der Hochschule Hannover. Es sei auch interessant für die Forschung, auf anonymisierte, strukturierte Daten der elektronischen Patientenakte zuzugreifen. „Das muss ich natürlich akzeptieren, dass die Digitalisierung meines Berufs einen Nutzen auch für andere hat.“

Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker hält funktionierende Videosprechstunden für einen echten Gewinn. „Wobei es schon sehr effizient laufen muss, damit auch Mediziner merken, dass ihnen das einen gewissen Zeitgewinn bringt“, erklärte sie im Vorfeld des niedersächsischen Digitalgipfels „Digitalisierung: Booster oder Kollaps für das Gesundheitswesen?“ am 24. November. „Doch die größte Herausforderung bei der Digitalisierung ist, auch den fremden Nutzen zu erkennen und zu akzeptieren, dass der gesellschaftlich relevant ist“, betonte auch sie. Schmieder ergänzte: „Das ist ein Erkenntnisprozess, der dauert Jahre.“

Ein positiver Nebeneffekt der Corona-Pandemie seien Videosprechstunde und Telemedizin, die Entlastung bedeuten könnten, sagte Wenker. Viele Psychotherapeuten hätten in den letzten Monaten Videosprechstunden angeboten, ebenso Hausärzte – „was vor zwei Jahren in dieser Form noch gar nicht denkbar war“. Aber das könne nur eine Ergänzung sein, die Patientinnen und Patienten das Wartezimmer erspare – denn eine Videosprechstunde generiere „natürlich keine Arztminute zusätzlich“. Gleichzeitig müssten Mediziner und Medizinerinnen immer wieder den persönlichen Kontakt suchen – für bekannte Patienten mit bekannten Leiden aber sei es ein „tolles zusätzliches Instrument“.

Notwendig seien aber sichere und ausreichend große Datenleitungen, außerdem sichere und komfortable Anwendungen, forderte Wenker. „Für uns ist wichtig: Es muss der Patientenbehandlung nutzen.“ Jeder Patient habe aber weiterhin das Recht darauf, von einem Arzt oder einer Ärztin seines Vertrauens persönlich behandelt zu werden. Habe beispielsweise ein Patient Luftnot, „dann bin ich rausgefahren, habe den Patienten angeguckt. Man muss einfach Patienten sehen und fühlen und spüren“.

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