Experteninterview mit Miriam Ruhenstroth (Mobilsicher.de)

Datenhandel bei DocMorris und Shop Apotheke

, Uhr
Mobilsicher.de hat verschiedene Apps von Versandapotheken und Lieferdiensten getestet.
Berlin -

Die Apps von Versandapotheken und Lieferdiensten geben die Daten über gesuchte Medikamente an Drittanbieter weiter. Miriam Ruhenstroth und das Team von Mobilsicher.de haben den zweifelhaften Datenverkehr analysiert. Im Gespräch mit APOTHEKE ADHOC berichtet Ruhenstroth, weshalb sie Shop Apotheke und DocMorris dabei Absicht unterstellt und warum sich Apotheken ihre Verträge mit Lieferdiensten lieber ganz genau ansehen sollten.

Mobilsicher.de hat die Software „App-Checker“ entwickelt, mit der Android-Apps systematisch analysiert werden können. Im Apothekentest wurden die Versender Shop Apotheke, DocMorris und Medpex sowie die Lieferdienste Mayd und Cure unter die Lupe genommen. Die fünf Apps wurden dazu auf dem präparierten Smartphone installiert, so dass der erzeugte Datenverkehr über einen angeschlossenen Computer ausgelesen werden konnte. „Wir analysieren nicht nur, wohin gesendet wird, sondern auch was, das heißt, wir gucken in die Datenpakete rein“, erklärt Ruhenstroth.

Der entscheidende Unterschied zu anderen Shopping-Apps: Wenn man in einer Apotheken-App nach Medikamenten sucht, sagt das auch etwas aus über den eigenen Gesundheitszustand. „Deswegen haben wir insbesondere darauf geguckt, wie mit den eingegebenen Suchbegriffen umgegangen wurde. Und da waren wir wirklich schon sehr überrascht und auch ein bisschen schockiert, dass drei dieser getesteten Apps die Suchbegriffe nicht nur selbst speichern, sondern auch an Drittfirmen weitergeben. Das hätten wir so nicht erwartet, dass da so locker mit umgegangen wird. Denn das fällt nach unserer Auffassung unter den Tatbestand Gesundheitsdaten, die besonders geschützt sind.“

DocMorris und Shop Apotheke ignorieren Kritik

Shop Apotheke und DocMorris sowie Mayd waren besonders freigiebig mit den gesammelten Daten – und bei den Versendern glaubt Ruhenstroht nicht an ein Versehen. Denn die seien schon vor einem halben Jahr mit den Erkenntnissen von Mobilsicher.de konfrontiert worden. „Die wissen von dieser Kritik – und interessieren sich gar nicht dafür. Das ist Absicht.” Solche Unternehmen würden sich nur bewegen, wenn sie vom Gesetz dazu gezwungen würden. Also wäre es vielleicht in diesen Fällen angebracht, die Datenschutzbehörden einzuschalten.

Mayd dagegen habe sich nach dem Test gemeldet und die Kritik durchaus zur Kenntnis genommen, dass zum Beispiel Medikamentennamen eigentlich nicht an Drittanbieter übertragen werden sollen, berichtet Ruhenstroth. Durch mehr Transparenz auf ein verändertes Verhalten bei den App-Anbietern hinzuwirken, das ist die Hoffnung von Mobilsicher.de.

Gerade die Geschäftsmodelle der Lieferdienste fußen auf einer Zusammenarbeit mit Apotheken vor Ort. Und die könnten je nach Vertrag mit dem App-Anbieter durchaus mit in der Haftung sein, was die Verarbeitung dieser Daten betrifft. „Es kann sein, dass der Lieferdienst ein reiner Auftragnehmer ist, dann wäre tatsächlich die Apotheke selbst in der Haftung und dafür zuständig, was mit den Daten passiert, es kann aber auch andere Vertragsstrukturen geben. Ich kann alle teilnehmenden Apotheken nur auffordern, das zu prüfen, ob sie mit dem Datenverarbeitungsverhalten ihrer Dienstleister einverstanden und als Daten-Controller mit in der Haftung sind“, so Ruhenstroth.

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