Wucherpreise bei Echinaforce: Online-Handel boomt

, Uhr

Berlin - In der Schweiz ist das Interesse am Sonnenhut-Präparat Echinaforce ins unermessliche gestiegen. Grund dafür waren die veröffentlichten Studienergebnisse, die für einen regelrechten Ansturm in Apotheken sorgten. Nun wollen auch Privatanbieter an dem Hype verdienen: Auf Online-Handelsplattformen wird das Präparat zu horrenden Preisen angeboten – die Inserate werden aufgrund der Rechtslage von den Betreibern jedoch zeitnah wieder entfernt.

Das Produkt aus der Schweiz ist seit Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse gefragt wie nie und in zahlreichen Apotheken bereits ausverkauft. In den Medien wurde das Präparat bereits als „Coronakiller“ bezeichnet. Nun wird auf Online-Handelsplattformen wie „Ricardo“ und „Tutti“ ebenfalls versucht Profit zu machen, wie das Schweizer „Tagblatt“ berichtet.

Ein Verkäufer verlangte demnach 90 Franken – umgerechnet knapp 85 Euro – für Echinaforce-Tropfen. Die Preissteigerung ist enorm, der Originalpreis liegt je nach Packungsgröße bei etwa 12 bis 30 Euro. Unter anderem gibt sogar es Angebote für Kapseln und Tropfen in „gebrauchtem Zustand“. Auf den dazugehörigen Bildern ist eindeutig zu sehen, dass die entsprechenden Packungen bereits geöffnet oder das Mittel sogar verwendet wurde.

Die Verkäufer gehen mit ihren Angeboten ein hohes Risiko ein: „Da Echinaforce-Produkte zu den Arzneimitteln der Kategorie D gehören, dürfen diese auf Ricardo nicht verkauft werden“, erklärt eine Sprecherin der Plattform gegenüber dem „Tagblatt“. Denn im Heilmittelgesetz ist verankert, dass auch rezeptfreie Medikamente nur mit vorheriger Fachberatung verkauft werden dürfen. Daher werden die Inserate von den Betreibern der Plattformen zeitnah wieder entfernt. Im schlimmsten Fall droht den Anbietern ein Strafverfahren mit bis zu drei Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe.

Studienergebnisse relativiert

Nachdem zu Beginn der Woche der Hype begann, meldete sich gestern das Labor Spiez zu Wort, welches dem Naturheilmittel die Wirkung gegen Sars-CoV-2 bescheinigt hatte: Die Wirkung des Mittels sei bisher lediglich in-vitro festgestellt worden. Die Aussagekraft solcher Ergebnisse am Menschen ist jedoch schwach. Schon viele Substanzen konnten in der Petrischale etwas bewirken, blieben am Menschen jedoch wirkungslos. Der Hype um das Echinacea-Produkt ist also zunächst noch unbegründet, bis Untersuchungen den Effekt gegen Sars-CoV-2 am Menschen ermittelt haben. Der Nachfrage scheint das jedoch keinen Abbruch zu tun. Abschließende Studiendaten zur Wirksamkeit gegen Covid-19 fehlen, sodass Echinacea nur begrenzt empfohlen werden kann.

 

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Mehr zum Thema

Neutralität und Unabhängigkeit absichern
Ärzteverband fordert Reform für Stiko »

Mehr aus Ressort

Seehofer kündigt Kontrollen an
Einreise-Testpflicht gestartet »
Therapie aus dem Tierreich
Alpaka-Nanobodies gegen Covid-19 »
Weiteres
Entwurf für 12- bis 17-Jährige
BMG will mehr Impfangebote für Jugendliche»
Seehofer kündigt Kontrollen an
Einreise-Testpflicht gestartet»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Apotheker denkt radikal um»
Druck auf Softwarehäuser
TI-Nachzügler aufgeschreckt»
Übelkeit, Durchfall & Co. im Sommer
Wenn die Hitze auf den Magen schlägt»
Die Psyche übernimmt das Kommando
Wenn der Stress auf den Magen schlägt»