Niedersachsen

Kochsalz statt Impfstoff: Mehr als 2000 Nachimpfungen

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Berlin -

Nachdem im Kreis Friesland womöglich mehrere tausend Menschen Kochsalzlösung statt Corona-Impfstoff bekommen haben, haben sich bereits mehr als 2000 Menschen zu Nachimpfungen angemeldet. Das teilte das niedersächsische  Gesundheitsministerium am Mittwoch mit.

Erste Nachimpfungen soll es im Impfzentrum des Landkreises bereits an diesem Freitag geben, wie eine Kreissprecherin mitteilte. In den Impfzentren der Nachbarkreise könnte dies auch schon früher der Fall sein.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass Tausende Menschen – und damit weit mehr als zunächst angenommen – keinen Impfschutz gegen Covid-19 haben könnten, weil eine Krankenschwester im Frühjahr Spritzen mit einer Kochsalzlösung statt mit Impfstoff aufgezogen haben soll. Möglicherweise betroffen sind nach Angaben des Kreises 8557 Menschen, denen zwischen 5. März und 20. April eine Spritze verabreicht wurde. Sie sollten nun schnellstmöglich eine weitere Impfung erhalten. Wie groß das tatsächliche Ausmaß des Falls ist, ist noch unklar.

An die womöglich Betroffenen schickte der Landkreis noch am Montag Info-Briefe und E-Mails, um über die Situation aufzuklären. Zudem wurde ein eigenes Info-Telefon eingerichtet. Bis zum Dienstagabend meldeten sich dort rund 1000 ratsuchende Anruferinnen und Anrufer. „Das Angebot wird sehr genutzt und wir stehen bereit, um alle Fragen zu beantworten“, sagte die Kreissprecherin.

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Hannover sagte: „Die Bürgerinnen und Bürger reagieren sehr besonnen.“ Es lägen keine Erkenntnisse darüber vor, ob es infolge von Kochsalz-Injektionen zu schweren Erkrankungen mit Covid-19 gekommen sei. „Das sind Meldedaten, die hier nicht übereinander gelegt werden – auch aus Datenschutzgründen“, erklärte die Sprecherin.

Die Krankenschwester hatte den Anschuldigungen nach Bekanntwerden der weiteren Vorwürfe am Dienstag über ihre Anwälte widersprochen. „Insbesondere hat es keine weiteren Tage gegeben, an denen der Impfstoff nicht pflichtgemäß in der vorgesehenen Menge durch unsere Mandantin verabreicht wurde“, hieß es in der Mitteilung. An den geplanten Nachimpfungen ändert diese Aussage laut Kreisverwaltung aber nichts.

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