ApoRetro – Der satirische Wochenrückblick

Unverschämt: Apotheke kopiert dm-Konzept

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Berlin -

Eine Verkäuferin mit Sachkundenachweis, ein langes Gesundheitsregal und jede Menge Wobbler. Mehr braucht es für Apotheker Hannes Wadelstrinck nicht, um dm & Co. ordentlich Konkurrenz zu machen. Er schlägt die Konzerne in seiner Apotheke erfolgreich mit ihren eigenen Waffen.

Wadelstrinck hat das Konzept „Apotheke“ von Grund auf neu erfunden. Warum sollte das, was sich die Altvorderen einmal ausgedacht und in komplizierten Gesetzen verewigt hatten, heute noch Bestand haben? In einer Zeit, in der Versender die Preis- und Transportvorschriften ignorieren dürfen! In der Rezepte für Abnehmspritzen und Potenzmittel auf Basis von Online-Fragenbögen ausgestellt werden!! Und in der Drogerieketten über den Umweg nach Holland oder Tschechien in ihren Filialen auch einmal Apotheke spielen dürfen!!!

Raus mit Labor, Nachtdienstzimmer und WC – aus der Marien-Apotheke wird die erste Drogeriemarkt-Zweigapotheke.

Drogeriemarken in der Apotheke

Die Inseln in der Freiwahl hat der Apotheker durch lange Regale ersetzt, die die Kundinnen und Kunden galant durch die vergrößerte Offizin führen. Anstelle der typischen Apothekensortimente finden sich hier Kategorien wie Make-up, Pflege & Parfum, Haare, Ernährung, Haushalt sowie Home & Living. Die einschlägigen Marken wurden ersetzt durch Top-Seller wie Garnier, Maybelline, Max Factor, Catrice, Pril und Lenor. Für die preissensitive Kundschaft gibt es Balea, Isana, Profissimo, Babydream und Saubär.

In einem weiteren Regal werden ausschließlich Gesundheitsmittel der Marken Mivolis und Altapharma angeboten. Wadelstrinck besorgt sich die Ware über verschiedene Graumarkthändler. Und da er die Produkte als Apotheke etwas teurer anbieten kann als die Drogeriemärkte um die Ecke, läuft sein Geschäft nach Stücknutzen betrachtet sogar besser als das der beiden Großkonzerne.

Apotheken-Automat am Eingang

Überall an den Regalen hängen sogenannte Wobbler: „Du suchst Apotheken-Kosmetik? Jetzt online bestellen bei unserem Partner Marien-Apotheke.“ Die Abholung ist an einem Automaten am Eingang möglich.

Seine neueste Waffe gegen die Drogeriekonkurrenz von gegenüber: Der Apotheker bietet Bluttests an. Seit wenigen Tagen checkt er bei seinen interessierten Kundinnen und Kunden das Herz-Kreislauf-System oder die Hautgesundheit. Er kooperiert dafür mit einem Labor – und fischt diejenigen Kundinnen und Kunden ab, die den Service eigentlich in der Drogerie erwartet hätten. Doch dort war das Angebot aus den Pilotmärkten nach der Pleite des Partners verschwunden.

Der Pharmazierat war anfangs kritisch, doch am Ende überzeugte ihn Wadelstrincks Konzept: Apotheken- und Drogeriegeschäft würden stets sauber getrennt, so die glaubhafte Versicherung des Apothekers: „Wenn der Kunde seine Kaufentscheidung trifft, dann hat er eine ganze Reihe von Schritten durchlaufen, sodass es gar keinen Zweifel mehr geben kann, ob er im Drogerie- oder im Apothekenbereich einkauft.“

Und um die Sache perfekt zu machen, ist Wadelstrinck auch regelmäßig im Lokalradio zu Gast. Dort gibt er sich als Visionär und erklärt den Zuhörerinnen und Zuhörern, warum das Drogeriewesen hierzulande im Grund nur noch Besitzstandswahrung ist, warum es endlich einen frischen Ansatz braucht und natürlich auch was die Politik alles anders machen muss, um das Land wieder nach vorne zu bringen.

In diesem Sinne: Schönes Wochenende.

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