APOTHEKE ADHOC Umfrage

Apotheker schlagen Alarm

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Berlin -

Aus Sicht der Regierung gibt es keine ernst zu nehmenden Probleme bei der Nicht-Lieferfähigkeit von Arzneimitteln. Mehr als einen Jour fixe zu dem Thema hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) bislang nicht veranstaltet. In der Praxis stellt sich die Situation laut einer Umfrage von APOTHEKE ADHOC anders dar.

In der großen Mehrzahl der Apotheken sind Lieferprobleme demnach ein ernstes Problem. 59 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass das Problem mit Lieferengpässen größer wird und die Versorgung behindert ist. Weitere 35 Prozent bezeichnen die Probleme sogar als „massiv“. Die Patienten bekämen teilweise ihre Arzneimittel nicht.

Nur eine kleine Minderheit von 4 Prozent findet, dass man „vereinzelte Ausfälle“ noch kompensieren könne. Kein einziger Teilnehmer gab an, dass Engpässe kaum spürbar seien und das Thema nur dramatisiert werde.

An der Umfrage nahmen vom 8. bis zum 11. September insgesamt 277 Leserinnen und Leser von APOTHEKE ADHOC teil.

Fakt ist, dass die Warnschüsse näher kommen: In den Kinderarztpraxen bestimmen bereits die Engpässe, wann Säuglinge und Kleinkinder gegen welche Krankheiten geimpft werden können. Aktuelles Beispiel sind die Tetanus-Vakzine.

Obwohl die Bundesregierung kein grundsätzliches Versorgungsproblem sehen will, fand in der vergangenen Woche beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn der erste Jour Fixe zu Versorgungs- und Lieferengpässen. Neben dem BMG sind die Bundesoberbehörden sowie „Fachkreise“ eingeladen: Hersteller, Großhandel und Apotheker.

Der Medizinrechtler Professor Dr. Hilko Meyer glaubt nicht daran, dass es ohne Druck auf die Hersteller geht. Er fordert eine gesetzliche Vorratspflicht der Hersteller, wenigstens für Arzneimittel gegen schwerwiegende Erkrankungen. „Und – ganz wichtig – diese Pflicht müsste verbunden sein mit Sanktionsmöglichkeiten der zuständigen Behörden. Anders ausgedrückt: Die gesetzliche Pflicht der Hersteller zur bedarfsgerechten und kontinuierlichen Belieferung gibt es schon, aber sie muss auch durchgesetzt werden. Ohne Sanktionsmöglichkeiten ist die Lieferpflicht der Hersteller ein stumpfes Schwert“, so Meyer im Interview mit APOTHEKE ADHOC.

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