Nicht generell vergleichbar

Stadt-Apotheker: „Es gibt hier auch kleine Apotheken“

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Berlin -

Die Münchener Innenstadt ist kein Garant für einen gut laufenden Betrieb. Dass der GKV-Spitzenverband die Stadt-Apotheken benachteiligen und die Land-Apotheken mit einem Versorgungsbonus subventionieren will, hält Apotheker Thomas Benkert für falsch. Er betreibt in München die Marien Apotheke am Sendlinger-Tor. „Man kann Land- und Stadt-Apotheke nicht generell vergleichen.“ Auch eine Land-Apotheke könne genug Rezepte bekommen, wenn ordentlich gearbeitet werde.

Die Marien-Apotheke in der Münchener Innenstadt wird seit 2011 von Benkert geführt. Der Inhaber, der auch Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK) ist, verweist auf anfallende Fixkosten, die in großen Städten höher sind: „Die Miete ist gigantisch“, sagt er. Auf dem Land seien die Inhaberinnen oder Inhaber oft Eigentümer der Räume. Wegen des hohen Kundenaufkommens müsse er eine entsprechende Größe und mehr Computerplätze bieten als eine kleine Land-Apotheke.

Dass sich in zentralen Stadtlagen oft mehr Apotheken ansiedelten, habe auch mit der Praxisstruktur zu tun. „Kein Arzt will mehr auf das Land.“ Und die Patientinnen und Patienten holten ihre Arzneimittel nun einmal gleich in der Apotheke ab, wenn sich diese beispielsweise in einem Ärztehaus befinde. „Ich muss mehr arbeiten, also verdiene ich auch mehr.“ Eine Pauschalisierung von Stadt- und Land-Apotheke sei falsch. Es gebe in Randlagen Münchens ohne viele Praxen beispielsweise auch Apotheken, denen es nicht „rosig“ gehe. „Es gibt auch in der Stadt kleine Apotheken, und auf dem Land kann eine Apotheke auch groß sein, wenn sie gute Beratung und einen guten Service bietet.“

Außerdem betont er, wie denn die Stadt definiert werde. „Gehört dazu München, Nürnberg und auch Würzburg?“ Man müsse unterm Strich genau sehen, warum der Umsatz höher sei. „Und ob am Ende mehr Rendite da ist, ist fraglich.“ Zudem müsse den Angestellten in Lagen mit hohen Mieten auch mehr Gehalt gezahlt werden. „In München verdient jeder über Tarif.“

Benkert fragt sich, wer überhaupt entscheiden soll, wer den Bonus erhält. Eine Umverteilung, wie sie von den Kassen geplant sei, sei „nicht die Rettung“. Die Kassen wollten nur nicht mehr Geld ausgeben. „Aber das ist nicht der richtige Weg“, betont Benkert. Wichtig sei, das Apothekenhonorar zu erhöhen, besonders nachdem der Kassenabschlag zuletzt angehoben wurde. „Wir sind jetzt wieder auf dem Niveau von 2003.“ Außerdem halte ein Versorgungsbonus nicht den Rückgang der Apothekenzahl auf und rette keine Land-Apotheke.

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