Worms

Mutter statt Chefin

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Berlin -

Die Apotheke gilt als familien- und frauenfreundlicher Arbeitsplatz. Das gilt allerdings nicht für die Inhaberinnen. Carolin Reffert-Schmitt, Leiterin der Dom-Apotheke in Worms, hat sich nun für ihre zwei Kinder entschieden – und gegen die Apotheke. Die schließt Ende des Monats, denn einen Nachfolger hat sie nicht gefunden.

Reffert-Schmitt kaufte die Dom-Apotheke 1998. Sie selbst war damals gerade einmal 28 Jahre alt und damit vergleichsweise jung für eine Existenzgründerin. „Ich wollte mich gern selbstständig machen“, sagt die Apothekerin.

Doch dann kam die Familienplanung dazwischen – und die gestaltete sich bei Reffert-Schmitt kompliziert. Sie hat inzwischen zwei Kinder aus Thailand adoptiert, einen inzwischen neunjährigen Jungen und ein dreijähriges Mädchen. „Wir haben fünf Jahre gewartet“, erzählt die Apothekerin. „Dann ging alles ganz schnell: Man bekommt einen Kindervorschlag und hat dann zwei Wochen Zeit, bis das Kind da ist.“ Neun Monate Schwangerschaft und Vorbereitung auf die neue Situation? Fehlanzeige.

Bei ihrem Sohn versuchte Reffert-Schmitt noch, alles unter einen Hut zu bekommen. Als sie auf das zweite Kind wartete, verpachtete sie ihre Apotheke für insgesamt drei Jahre. „Ich habe sie bewusst verpachtet und nicht verkauft – weil ich zurück wollte.“ Doch sie musste länger als geplant auf ihr Kind warten und auch der Wiedereinstieg fiel ihr schwerer als gedacht. „Ich hatte Angst, dass beides nicht richtig klappt“, gesteht sie.

Deshalb hat Reffert-Schmitt eine Entscheidung getroffen – für ihre Familie. Obwohl der Grund, die Apotheke zu schließen, angenehmer ist als wenn die Zahlen nicht stimmen oder der Nachfolger fehlt, ist ihr der Schritt nicht leicht gefallen. „Immerhin habe ich die Apotheke 17 Jahre gehabt. Es tut mir sehr Leid, jetzt aufzuhören.“

Allerdings seien die Öffnungszeiten nicht gerade familienfreundlich, sagt sie. Das Problem sei besonders die Spontanität gewesen, die ihr als Leiterin abverlangt wurde, etwa einzuspringen, wenn sich früh eine ihrer vier Mitarbeiterinnen krank gemeldet hat. Auch die Notdienste hätten das Familienleben belastet.

Ihre zwei Kinder verbrachten den Vormittag in Kindergarten und Schule, nachmittags wurden sie von einer Kinderfrau, einem Kindermann oder den Eltern von Reffert-Schmitt betreut. Ihr Mann ist Professor und arbeitet Vollzeit an der Universität in Kaiserslautern – 60 Kilometer von Worms entfernt.

Die Apotheke, die es seit mehr als 50 Jahren gibt, schließt nun zum Ende des Monats ihre Türen. Einen Nachfolger fand Reffert-Schmitt nicht – ein Problem, dass es nicht nur auf dem Land gibt. „Die Apotheke liegt in der Innenstadt: Die Miete ist hoch und die Konkurrenz groß“, erklärt die Apothekerin. Ihre Mitarbeiterinnen haben ab Oktober bereits neue Jobs.

Ganz Hausfrau will Reffert-Schmitt nicht sein. Sie plant, vormittags zu arbeiten, als Apothekervertretung in der Region und in der Firma „Pharma Optima“, die sie mit einer Freundin gründen will. Sie wollen Apotheken in Sachen Großhandelskonditionen beraten.

„Verhandlungen mit dem Großhandel sind sehr zeitraubend, aber auch unheimlich wichtig“, erklärt Reffert-Schmitt die Geschäftsidee. Gleichzeitig habe man in der Apotheke immer weniger Zeit. Zusammen mit ihrer Freundin, einer Betriebswirtin, will sie optimale Rabatte für die Apotheken aushandeln und die Rechnungen kontrollieren. „Ich arbeite dann nicht viel weniger, aber ich kann mir die Arbeit auf den Morgen und den Vormittag legen und muss nicht spontan einspringen“, erklärt die Apothekerin.

Außerdem hat sie sich vorgenommen, in den Flüchtlingslagern in der Region auszuhelfen. „Dort fehlen auch Apotheker, die die Arzneimittel verteilen“, so Reffert-Schmitt. Sie will helfen – vielleicht auch mit einer letzten Großbestellung aus ihrer Apotheke.

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