LAV schreibt an Kassenvorstand

Retaxwelle: „Ihr Haus provoziert die Apotheken“

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Berlin -

Mindestens 30 Apotheken alleine in Rheinland-Pfalz haben seit Weihnachten Retaxationen der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) erhalten. Oft geht es um Hochpreiser, entsprechend groß ist der Schaden. Der Landesapothekerverband (LAV) hat jetzt einen Brief an den Vorstand der Kasse geschrieben.

„In Rheinland-Pfalz haben wir von gut 30 Apotheken Rückmeldungen über Retaxationen, fast nur bei Hochpreisern“, sagt LAV-Geschäftsführer Peter Schreiber. „Wir haben heute Morgen den Vorstand der SVLFG, Herrn Henner Braach, direkt angeschrieben und protestiert. Wir raten den Mitgliedern, fristwahrend Einspruch einzulegen. Einen Muster-Einspruch werden wir erarbeiten, bundesweit koordinieren und den betroffenen Mitgliedern rechtzeitig zur Verfügung stellen.“

In dem Brief wird Braach direkt auf die jüngste Retaxwelle seiner Kasse angesprochen: „Uns erreichen die Beschwerden zahlreicher Mitgliedsapotheken, dass die SVLFG über ihr Prüfzentrum SpektrumK um Weihnachten herum Beanstandungen versendet hat, weil angeblich die Chargenangabe fehle. Viele Retaxationen sind schon sachlich falsch, weil die Chargenangabe mitnichten fehlt.“

„Fehlende Charge kein Retaxierungsgrund“

Vor allem aber wolle man „eindeutig klarstellen, dass eine fehlende Charge kein Retaxierungsgrund ist“, heißt es weiter. „Möglicherweise führt eine fehlende Chargenangabe zu Problemen, wenn bei einem chargenbezogenen Arzneimittelrückruf dadurch etwaige Schadenersatzansprüche der Kasse gegenüber dem Hersteller erschwert würden. Die rechtfertigt aber keinesfalls bereits Retaxationen im Vorfeld eines hypothetischen Falles bei der Abrechnung ordnungsgemäß erbrachter Arzneimittelversorgung Ihrer Versicherten.“

Weiter schreibt Schreiber: „Wir werten das Retaxverhalten der SVLFG als grobe Unfreundlichkeit. Ihr Haus provoziert damit die Apotheken, erzeugt Arbeit und Ärger mit der Einspruchsbearbeitung, ohne dass eine belastbare Grundlage bestünde.“ Es sei bezeichnend, dass fast ausschließlich hochpreisige Arzneimittel von den Retaxationen betroffen seien.

„Damit erschüttert Ihr Haus in verantwortungsloser Weise das Vertrauen der Apotheken in eine vertragspartnerschaftliche Zusammenarbeit“, so Schreiber. „Ich fordere Ihr Haus auf, dieses Retaxverhalten unverzüglich einzustellen und die ausgesprochenen Retaxationen zurückzunehmen.“

Man erwarte eine kurzfristige Stellungnahme, um Weiterungen zu vermeiden. „Die Kommunikation mit Ihrem Dienstleister SpektrumK stellen wir bis auf Weiteres ein und wenden uns stattdessen direkt an Ihr Haus als zuständiger Vertragspartner.“

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