Ramipril ist ein häufig auf Kassenrezept verordneter Wirkstoff. Der aktuelle Rückruf von 089Pharm sorgt entsprechend für Verunsicherung bei vielen Patientinnen und Patienten, auch wenn er nur für die Handelsstufen gilt. In den Apotheken bemühen sich die Angestellten um Aufklärung und gegebenenfalls Ersatz.
In Vor-Ort-Apotheken kam es nach dem Rückruf von Ramipril 089Pharm 5 mg zu 20, 50 und 100 Tabletten auf Handelsebene – also in Apotheken und beim Großhandel – zu Erklärungsbedarf bei der Kundschaft. „Bei uns häufen sich Kundenanfragen. Die Kunden differenzieren nicht und verlangen sofortigen Umtausch ihrer Ramipril 089 durch die Apotheke“, sagt eine Inhaberin.
Viele Patientinnen und Patienten kommen aktuell in die Apotheken und benötigen Aufklärung. Ein Betrieb in Hessen geht aktiv auf die Kundschaft zu: Er fordert Kundinnen und Kunden auf, in die Apotheke zu kommen, wenn dort ein betroffenes Präparat abgeholt worden sei. „Wir tauschen kostenlos gegen ein gleichwertiges, nicht betroffenes Ramipril-Präparat um. Kein Rezept nötig – wir prüfen das schnell vor Ort.“
Wichtig sei, dass kein akutes Gesundheitsrisiko bestehe. Aber zur Sicherheit würden die Chargen ausgetauscht. Wenn das Präparat aus einer anderen Apotheke stammt, verweise der Betrieb an die Mitbewerber. „Die helfen euch genauso unkompliziert weiter.“ Keinesfalls sollten die Kundinnen und Kunden das Präparat selbst absetzen. „Als öffentliche Apotheke nehmen wir gelebten Verbraucherschutz sehr ernst: Wir informieren euch transparent, prüfen Packungen und sorgen für sichere Alternativen. Eure Gesundheit geht vor.“
In anderen Apotheken werde an die Praxis wegen eines neuen Rezepts oder direkt an den Hersteller verwiesen, da es kein Rückruf auf Patientenebene ist. In manchen Betrieben wird nicht diskutiert und direkt ausgetauscht. Der Hersteller verweist auf Anfrage auf eine mögliche Erstattung: In der Apotheke könne eine Ersatzpackung auf Basis eines Privatrezepts aus einer nicht betroffenen Charge von 089Pharm abgegeben werden. „Die Apotheke erhält nach Prüfung durch die 089Pharm eine entsprechende Gutschrift.“
Andreas Grünebaum von der Easy-Apotheke im hessischen Bruchköbel kritisiert diesen Ansatz: Der Vorschlag sei unnötig und nicht durchführbar. „Zurzeit sind auch keine Packungen von 089Pharm vom Großhandel lieferbar.“ Außerdem sei die Vorgehensweise bereits rechtlich abschließend geklärt: „Der Arzt stellt ein entsprechend gekennzeichnetes Ersatzrezept aus.“
Der Rückruf und die Informationen darüber sorgten für einen unnötigen Mehraufwand und Ärger mit Arztpraxen. Eine Praxis etwa habe sich bereits geweigert, eine entsprechende Ersatzverordnung auszuweisen. „Weil es so etwas nicht gäbe und andere Apotheken einfach die Packung auch ohne Rezept gegen eine andere austauschen würden“, sagt Grünebaum. Dies geschehe vermutlich auf eigene Kosten.
Der Münchener Hersteller betont, dass Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffs Ramipril nicht beeinträchtigt seien. „Patientinnen und Patienten können intakte Tabletten weiterhin wie verordnet einnehmen. Lediglich zerbrochene Tabletten sollten nicht verwendet werden, um mögliche Dosierungsungenauigkeiten zu vermeiden“, heißt es weiter. Der Rückruf erfolge daher vorsorglich und ausschließlich auf Apotheken- und Großhandelsebene. Ein Rückruf auf Patientenebene sei aus fachlicher Sicht nicht erforderlich.