Apothekenreform nur symbolischer Wert

Klinikversorgender Apotheker: Größte Sorge Klinikpleite

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Berlin -

Mit der geplanten Apothekenreform sollen krankenhausversorgende Apotheken im Falle eines Versorgungsmangels beim Dokumentationsaufwand entlastet werden. Christian Sickau aus Bayern beliefert 34 Kliniken und sieht in den Plänen für sich keine wesentlichen Erleichterungen. Die „überbordende Bürokratie“ bleibe weiterhin bestehen. Der 42-Jährige, der in der Klinikversorgung 100 Angestellte beschäftigt, zeigt andere Baustellen und äußert seine Wünsche an die Politik.

Sickau sieht in den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums eher einen „symbolischen Wert“. Denn auch wenn die anvisierten Maßnahmen bei krankenhausversorgenden Apotheken und Krankenhausapotheken den größten Teil der Einsparungen einnehmen, habe das Vorhaben in der Praxis kaum Relevanz. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant, die Chargenbezeichnung von importierten Arzneimitteln abweichend auf Station zu dokumentieren. „Das spielt hier quasi keine Rolle und kommt vielleicht einmal pro Monat vor.“

Dem Gesetzentwurf zufolge sollen im Fall eines Imports wegen Vesorgungsmangel nur bestimmte, von der Anwendung des Arzneimittels unabhängige Parameter zu dokumentieren sein, sofern auf der versorgenden Station des Krankenhauses durch die dortige Dokumentation eine eindeutige Rückverfolgbarkeit zur Patientin oder zum Patienten sowie zum verwendeten Arzneimittel geschaffen werde. „Das Arzneimittel ist dabei beispielsweise durch Angabe von Pharmazentralnummer oder alternativ Angabe von Bezeichnung, Name oder Firma des pharmazeutischen Unternehmers, Menge und Stärke sowie der Chargenbezeichnung zu identifizieren“, heißt es.

Finanzlage der Kliniken stärken

Der Apotheker kennt das Geschäft: 2017 übernahm er die Johannes-Apotheke Gröbenzell, nachdem er dort seit 2011 angestellt war. Die Klinikversorgung gibt es seit 1990. Insgesamt versorgt er mit seinem Team 3500 Betten. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Finanzlage der Kliniken gestärkt wird. Ich habe vor zwei Jahren zwei Klinikinsolvenzen erlebt und dabei viel Geld verloren.“ Insgesamt gab es offene Rechnungen von mehr als einer halben Million Euro. Das Geld bekam Sickau nicht zurück.

Von der Pleite einer großen Klinik erfuhr er aus der Presse. „Wir haben versucht, uns darauf vorzubereiten.“ Aber es gebe wenig Handhabe. „Wir haben die Zahlung auf wöchentliche Basis umgestellt, aber wenn es zu spät herauskommt, zahlt einem die Rechnungen keiner.“ Zudem sei es nicht möglich, sich dagegen zu versichern. Betrieblich habe er „massiv entgegenwirken und sanieren“ müssen. „Das war keine schöne Zeit.“

Ein weiterer Punkt betreffe die Räumlichkeiten. „Ich wünsche mir mehr Flexibilität im Bereich Galenik.“ Für Filialverbünde sei eine gemeinsame Nutzung einer Rezeptur oder eines Labors möglich – doch für seine Klinikabteilung und die Vor-Ort-Apotheke benötige er weiterhin zwei Räume zur Galenikprüfung. „Ich darf im Klinikbereich nur Klinikrezepturen herstellen, es wäre schön, wenn das flexibler und auch frei für die Offizin wäre.“

Kritik an fehlender Fixumerhöhung

Wie viele Kolleginnen und Kollegen vermisst Sickau im Entwurf die fehlende Honoraranpassung für öffentliche Apotheken. „Man kann die Lücke nicht über OTC querfinanzieren.“ Und die Margen für Rx-Arzneimittel gingen weiter zurück. Mit einem großen Hochpreiseranteil müssten alle Parameter passen, um nicht ins Minus zu kommen.

Denn hinter der Apotheke steht, was die finanzielle Haftung angeht, der eingetragene Kaufmann. Diese Geschäftsform sei nicht mehr zeitgemäß – gerade mit Blick auf große Betriebe. Sickau erwirtschaftet im Jahr rund 50 Millionen Euro Umsatz. „Es ist wichtig, dass man das breit aufstellt“, sagt er. Dadurch könne auf unvorhergesehene Ereignisse wie etwa ein Wechsel eines Zyto-Rabattvertrags reagiert und der Margenverlust abgefangen werden. „Man ist dem Wild-West-Verhalten der Krankenkassen ausgeliefert.“

Der Inhaber plädiert für die Einführung der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) für Apotheken. „Das wäre ein großer Segen, wenn man das weiterentwickeln würde, auch mit Blick auf den Nachwuchs.“ Denn dieser scheue sich oft, in diesem Ausmaß persönlich zu haften. „Die Politik sieht oft nur den Umsatz, die Marge, die am Ende übrig bleibt, ist überschaubar, gerade für das Risiko, das man eingeht.“ Deshalb sollten die Politiker sich vor Ort auch in großen Apotheken ein Bild von der Lage machen.

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