FFP2-Masken: Rathaus lockt Apothekenkunden

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Grittmanns Einwände gegen die Aktion sind aber noch grundlegender: Wie schwer der regionale Handel von der Pandemie und den Lockdown getroffen ist, wird nicht nur in Miltenberg diskutiert – und dann kauft das Rathaus mit Steuergeldern Masken und schädigt damit den lokalen Handel. „Wir zahlen Gewerbesteuer und Tourismus-Abgabe und dann graben die uns das Wasser ab. Erst plädieren alle für den Einzelhandel und dann machen sie sowas“, sagt er. Dabei gebe es keine Notlage, in der die Stadt aushelfen müsste – Masken sind mittlerweile zu vernünftigen Preisen in ausreichender Menge verfügbar.

Wenn die Stadt schon mit Eigenbeteiligung Masken an die Bevölkerung ausgeben wolle, dann hätte sie doch wenigstens die lokalen Apotheken mit einbeziehen sollen. „Wir sind sehr enttäuscht, dass wir komplett ausgeklammert wurden. Wir wären doch die letzten gewesen, die da nicht mitmachen! Im Dezember waren wir sofort zur Stelle und haben das in kürzester Zeit selbst gestemmt – und jetzt, wo es was zu holen gibt, springt die Stadt auf.“ Die Apotheken in Miltenberg bringt das gleich doppelt in eine knifflige Situation, denn nicht nur wird ihnen Kundschaft abgezogen. Es ist auch ein äußerst heikles Thema, sich dagegen zu wehren. „Die Aktion ist in der Bevölkerung natürlich sehr beliebt. Wenn ich dann als Apotheke versuche gegenzusteuern, schieße ich mir am Ende vielleicht noch ins eigene Bein, weil ich dann als Buhmann dastehe, dem es nur ums Geld gehen würde.“

Was also tun? Miltenberg ist keine Millionenstadt, man kennt sich untereinander und das kann im Zweifelsfall sehr nützlich sein. Zu Bürgermeister Bernd Kahlert pflege er sonst ein gutes Verhältnis, sagt Grittmann. Also wandte er sich an den Stadtvater – und siehe da: Er fand ein offenes Ohr. „Er hat sich entschuldigt und hatte sogar überlegt, die Aktion noch kurzfristig abzublasen“, erzählt der Apotheker. Das wiederum wäre natürlich ein Gesichtsverlust für Kahlert. Also bemühte er sich um Schadensbegrenzung. Am Donnerstagnachmittag verkündete er Änderungen an der Aktion: Es dürften pro Person nur noch maximal zwei Packungen abgegeben werden. Sich für die ganze Firma einzudecken, fällt damit aus. Auch werde es bei der einmaligen Aktion bleiben, versicherte Kahlert gegenüber den Apothekern. „Er hat uns versprochen, dass das nur an diesem Wochenende stattfindet und er danach nie wieder etwas mit Masken zu tun haben will“, erzählt Grittmann. „Na da fragen Sie mal uns, hab ich ihm gesagt.“

 

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