Rx-Versandverbot

EuGH-Urteil: GSK informiert Patienten

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Berlin -

Die Pharmahersteller verfolgen die Diskussion um ein Rx-Versandverbot mit großer Aufmerksamkeit. GlaxoSmithKline (GSK) hat jetzt die Patienten über das EuGH-Urteil informiert. Es gebe unterschiedliche Meinungen, wie damit umzugehen sei, schreibt der Konzern in seinem Newsletter „Patientenbrief“. Das berichtet PHARMA ADHOC.

„Gefährdet es ein flächendeckendes, wohnortnahes Netz von Apotheken, wenn ausländische Versandapotheken Gutschriften auf Rezepte geben dürfen? Oder ist es eine Chance, um auch die Patienten erreichen zu können, die entweder gar keine Apotheke mehr in der Nähe haben beziehungsweise aufgrund ihrer Behinderung froh sind, dass die regelmäßig benötigten Medikamente ins Haus kommen?“ Diese Fragen stellt Ilka Einfeldt, Leiterin Patient Relations bei GSK in ihrem Editorial. Auch in der Selbsthilfe gebe es dazu unterschiedliche Meinungen – und in der Politik sowieso. „Kommt jetzt ein generelles Versandverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel?“

Unter der Überschrift „Das große Beben“ wird im gesundheitspolitischen Newsletter der derzeitige Diskussionsstand erklärt. Im Patientenbrief kommt unter anderem Friedrich-Wilhelm Mehrhoff, Geschäftsführer der Deutschen Parkinson Vereinigung (DPV), zu Wort. Über deren Bonussystem mit DocMorris war das EuGH-Urteil zustande gekommen, mit dem ausländischen Versandapotheken nun Rabatte im Rx-Markt erlaubt wurden.

Mit der ABDA würde er lieber zusammenarbeiten, als sich zu streiten, zitiert GSK Mehrhoff. Insgesamt versteht er die Aufregung nicht, schließlich entfalle im Rx-Bereich nicht einmal 1 Prozent des Marktes auf Versandapotheken. Die Untergangsszenarien, die nun von der Apothekerschaft ausgemalt würden, seien „ein Witz”.

Ursula Breitbach von der Deutschen Diabetes-Hilfe in Nordrhein-Westfalen sieht dagegen durch das Urteil die ortsnahe Versorgung mit Medikamenten in Gefahr, denn der Apotheker sei für chronisch kranke Menschen immer wichtiger. Zitiert werden auch die Deutsche Gesellschaft für Palliativ-Medizin (DGP), die ABDA und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auf der einen und SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach auf der anderen Seite.

Mit einer eigenen Position hält sich GSK zurück. „Tatsache ist: Die Zahl der Apotheken geht schon seit Jahren zurück. Weniger klar ist, woran das liegt“, heißt es im Patientenbrief. „Der Beruf hat ein Nachwuchs-Problem – viele Apothekenleiter stehen vor der Rente – und wenn sie keinen Nachfolger finden, macht die Apotheke vor Ort halt zu. Die Frage ist auch, ob wirklich die Landapotheken vorrangig gefährdet sind, denn sie haben ja deutlich weniger Konkurrenz als ihre Kollegen in Städten oder Stadtrandgebieten. Klar ist aber auch: In Regionen, wo es keinen Arzt mehr gibt, hat es eine Apotheke schwer.“

Die Ausgabe des Newsletters behandelt außerdem weitere politische Themen, wie das geplante Arztinformationssystem zu Nutzenbewertungen des Gemeinsamen Bundesausschusses. Mit Blick auf die jüngsten Marktrücknahmen gibt der Patientenbrief die Positionen der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie und des G-BA wider. Am Ende fragt GSK: „Wer entscheidet also am Ende über den Patientennutzen neuer Krebsmedikamente?“ Dies sei eine Frage, die schleunigst geklärt werden sollte. Denn Onkologika zu entwickeln, „macht wenig Sinn, wenn sie nicht bei den Patienten ankommen“.

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