Gedisa übernimmt ab 1. Juli

DAV-Portal: Wieder Ärger für Nicht-Mitglieder

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Berlin -

Bis zum 30. Juni können auch Apotheker, die nicht Mitglied in einem Landesapothekerverband (LAV) sind, über das Verbändeportal Corona-Zertifikate ausstellen. Sie zahlen für den Zugang. Aber was nach dem Stichtag passiert, weiß keiner – zurzeit wohl nicht einmal die Abda.

Anfang des Jahres hat sich Apotheker Werner Ernst aus Stuttgart Neugereut einen Zugang zum Apothekenportal erstritten. Erstritten deshalb, weil er kein Mitglied im Landesapothekerverband (LAV) mehr ist. „15 Jahre war ich Mitglied, aber dann habe ich mich wegen einiger Umstände dazu entschieden auszutreten. Apotheker bleibe ich ja trotzdem“, erklärt Ernst. Am Ende habe er sogar einen Anwalt bemühen müssen, um das Portal nutzen zu können.

Das DAV-Portal bietet öffentlichen Apotheken einen technischen Zugang zum Robert Koch-Institut (RKI) zur Ausstellung digitaler Impfzertifikate. Wer nicht in einem LAV ist, zahlt ein „aufwandsbezogenes Nutzungsentgelt“ in Höhe von 200 Euro netto für die Hauptapotheke sowie 60 Euro für jede Filiale. Die Nutzung ist zudem bis zum Ende Juni beschränkt.

Ernst ist enttäuscht: „Ich muss doch meine Kunden versorgen können. Corona-Zertifikate sind ein wichtiger Bestandteil für die gesellschaftliche Teilhabe der Menschen. Vor allem, wenn man auf die Pläne im Herbst blickt.“ Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) verkündete nach zweitägiger Klausur Verschärfungen der Corona-Maßnahmen und streitet derzeit über Bürgertests.

Seine Familie betreibt unter dem Namen Laralex sieben Apotheken, in denen er zurzeit Corona-Impfzertifikate ausstellen kann, sagt Ernst. Der Inhaber ist in Sorge um die Kund:innen, die in diesen Apotheken versorgt werden, wenn er womöglich Ende kommender Woche abgeklemmt werden sollte. Er zahle immerhin einen beträchtlichen Obolus, um an das Portal angeschlossen zu sein. „Es ist ja nicht, dass ich hier was geschenkt bekomme, aber als Apotheker machen wir doch einen wichtigen Job für die Gesundheit der Menschen“, meint der Apotheker und schiebt nach: „Gerade bei Corona!“

Keine Hilfe beim Support

Wenn Ernst nachfragen will, landet er in einer Support-Hölle: „Die Leute im Support haben nur die Aufgabe, die Kunden abzufrühstücken. Man kommt nicht weiter. Keiner weiß dort etwas“, beschwert sich der Apotheker aus Stuttgart Neugereut: „Ein Mal bin ich dann durchgestellt worden und da hat man dann einfach bloß aufgelegt.“ Der Apotheker hat somit keine Informationen und keine Planungssicherheit.

Gedisa übernimmt von DAV

Auf mehrmalige Anfrage von APOTHEKE ADHOC hat die Abda bis zum Redaktionsschluss keine Antwort gegeben, wie es weiter geht. Im Grundsatz bestätigte ein Sprecher aber das Auslaufen zum 30. Juni für Teilnehmer des Portals ohne Mitgliedschaft in einem LAV. Hintergrund könnte der geplante Betreiberwechsel sein: Das Portal soll demnächst nicht mehr vom Deutschen Apothekerverband (DAV) betrieben werden, sondern von der neu gegründeten Firma Gedisa.

Exakt vor einem Jahr war die Anbindung ans DAV-Portal ein Aufreger: Nur Mitglieder eines LAV konnten sich zum Start der Impfzertifikate registrieren. Dann musste der DAV reagieren und das Portal für alle Kolleg:innen öffnen. Der Marketing Verein Deutscher Apotheker (MVDA) hatte sich beim Bundesgesundheitsministerium (BMG) beschwert und den damals für E-Health zuständigen Unterabteilungsleiter Christian Klose eingeschaltet. Die Abda sei dann vonseiten des Ministeriums „ermahnt und unter Androhung von aufsichtsrechtlichen Schritten“ angewiesen worden, „zeitnah einen diskriminierungsfreien Zugang für alle Apotheken zur Verfügung zu stellen“, so der MVDA.

Die betroffenen Apotheken mussten dann ein Formular ausfüllen und einige Unterlagen schicken, „um die nötige Sicherheitsprüfung durchführen zu können“. Dazu zählten eine Kopie der Betriebserlaubnis sowie ein „Aktivitätsnachweis“, etwa ein aktueller Bescheid des Nacht- und Notdienstfonds (NNF) oder eine aktuelle Abrechnung eines Apothekenrechenzentrums. Die Beträge sollen geschwärzt werden. Doch auch danach lief es nicht reibungslos, berichteten einige Kolleg:innen – mit und ohne Verbandsmitgliedschaft.

Starthilfe für Gedisa

Der DAV hatte sich aktiv mit seiner Lösung eingebracht, da das Verbändeportal auch für andere Aufgaben genutzt werden und zu einem umfassenden Apothekenportal ausgebaut werden soll. Mittlerweile wurden bei den Verbänden die dafür erforderlichen Mittel in Millionenhöhe eingesammelt, die über höhere Beiträge finanziert werden. Die Zertifikate waren gewissermaßen eine Starthilfe für Gedisa. Eine andere Option wäre es gewesen, die Schnittstelle zum Robert Koch-Institut (RKI) direkt in der Warenwirtschaft zu implementieren.

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