Hypertonie

Bluthochdruck: 120 als neue 140? dpa, 18.01.2016 15:00 Uhr

Berlin - Mit steigendem Blutdruck wächst das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass Hypertonie medikamentös stärker vermindert werden sollte als bisher. Unter Ärzten wie Patienten herrscht seitdem Uneinigkeit über den richtigen Zielwert.

Ergebnis der „Sprint“-Studie in den USA war im vergangenen Jahr, dass zumindest für bestimmte Bluthochdruck-Patienten ein systolischer Zielwert von 120 günstiger ist als die bisher anvisierten 140. Seither strömen auch in deutsche Arztpraxen und Kliniken ratsuchende Patienten. „Viele fragen, wann sie nun auf 120 eingestellt werden“, sagt Professor Dr. Yvonne Dörffel, Leiterin der Medizinischen Poliklinik der Charité in Berlin. Deutsche Experten sind uneins, in welchem Maße das Ergebnis praxistauglich ist. „Ich sehe nicht, dass das überhaupt bei einer höheren Zahl von Hochdruckpatienten gemacht werden sollte“, meint Dörffel.

Blutdrucksenkende Medikamente sollten bei allen Patienten mit hohem Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko eingesetzt werden – unabhängig von ihrem Blutdruck, forderten Mediziner kürzlich in der Fachzeitschrift „The Lancet“. Der Grenzwert von 140 für die Behandlung mit Tabletten sei zu hoch. Die Wissenschaftler hatten 123 Studien von 1966 bis 2015 ausgewertet, an denen insgesamt mehr als 600.000 Menschen beteiligt waren. Einschränkend merken sie unter anderem an, dass die Studien teils nur bedingt vergleichbar waren.

Sehr skeptisch äußerte sich der Leiter des Hypertoniezentrums München, Professor Dr. Martin Middeke, über die Meta-Analyse: „Man kann nicht alles über einen Kamm scheren. Die Behandlung des Blutdrucks ist immer eine individuelle Therapie."

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