Botendienst, Bürgerschulung, Nachfolgersuche

Apotheke schließt, Gemeinde rotiert

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Berlin -

In Eppertshausen hat die Valentin-Apotheke plötzlich geschlossen. „Die Nachricht über die Schließung zum 31. Januar hat viele Menschen sehr überraschend getroffen“, erklärt die Gemeinde. Weil es die einzige Apotheke in dem 6000-Einwohner-Ort war, zieht dies nun insbesondere für ältere Menschen, chronisch Erkrankte und alle, die auf eine wohnortnahe Medikamentenversorgung angewiesen sind, spürbare Veränderung im Alltag nach sich.

Der Apotheker Marcus Arndt betrieb insgesamt vier Apotheken in den Gemeinden Obertshausen, Groß-Bieberau, Eisenbach und Eppertshausen in Hessen. Letzteren Standort musste er plötzlich schließen. Zum Hintergrund der Schließung will er sich nicht persönlich äußern.

Kein Zeitplan für die Apotheke

Die Gemeinde erhielt erste Hinweise auf mögliche Veränderungen am 19. Januar. Es habe eine formale Mitteilung zur Kündigung bestehender Vereinbarungen mit der Gemeinde gegeben, heißt es in einer Information zur Schließung der Apotheke. Der Hinweis sei sehr kurzfristig eingetroffen, es habe zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt werden können, ob es eine Nachfolgelösung gebe oder wann eine Schließung geplant sei. „Konkrete Schritte, eine Information über eine derart zeitige Schließung oder ein verbindlicher Zeitplan lagen uns nicht vor“, erklärt die Gemeinde.

Spürbare Veränderung

Am 29. Januar hieß es: „Uns ist bewusst, dass diese Entwicklung für zahlreiche Bürgerinnen und Bürger mit Sorgen verbunden ist. Besonders für ältere Menschen, chronisch Erkrankte und alle, die auf eine wohnortnahe Medikamentenversorgung angewiesen sind, bedeutet das eine spürbare Veränderung im Alltag.“ Die Kundschaft soll demnach vom Inhaber erst Anfang der letzten Januarwoche informiert worden sein, dass die Apotheke am 31. Januar letztmalig öffne.

Als Gemeindeverwaltung wisse man jedoch, wie wichtig eine verlässliche medizinische Infrastruktur vor Ort sei. Deshalb unterstütze man grundsätzlich Betriebe und Geschäfte bei Fragen zur Nachfolge oder Weiterführung. Man wolle „so schnell wie möglich eine Nachfolge für den Apothekenstandort“ finden. Denn die nächstgelegene Apotheke befindet sich Rödermark oder Münster. Beide Orte sind nicht fußläufig zu erreichen.

Wichtig sei es außerdem, dass eine Weiterführung der Apotheke in den nächsten sechs Monaten gelinge. Denn eine spätere Wiedereröffnung am selben Ort sei deutlich komplizierter und mit erheblichen zusätzlichen Auflagen verbunden, erklärt die Gemeinde weiter. Der Grund seien deutlich strengere Vorschriften für die Genehmigung als Geschäftsräume.

Gespräche mit umliegenden Apotheken

Hinzu komme eine Vorschrift über den Einbau einer Abluftanlage, welche größere Investitionen nach sich ziehen würde. „Das würde eine Nachfolgesuche deutlich erschweren“, so die Gemeinde. Man wolle nun parallel Gespräche mit umliegenden Apotheken führen, um mögliche Übergangslösungen zu prüfen.

„Wegen der Kurzfristigkeit der Apothekenschließung haben wir uns zunächst darauf konzentriert, die Eppertshäuser Bürger bei der Suche nach neuen Bezugsmöglichkeiten für ihren Medikamentenbedarf zu helfen.“ Deswegen wurde am 4. Februar auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht, dass Verordnungen über Arzneimittel sehr leicht online an die örtliche Apotheke der eigenen Wahl weitergeleitet werden könnten.

Derzeit bereite man eine Informationsveranstaltung für Senioren vor. „In dieser wollen wir speziell die Möglichkeiten des E-Rezeptes vermitteln. Denn es gibt mehrere Wege, Rezepte bei einer ortsnahen Apotheke einlösen zu können, ohne die Apotheke aufsuchen zu müssen. Auch die Lieferung der Medikamente an die Wohnadresse wird angeboten.“

Zum Thema Botendienst heißt es: „Wir haben mit den umliegenden Apotheken gesprochen und eine tabellarische Übersicht über alle Betriebe in der Nähe erstellt. Die Apotheken, die einen Bring-Service nach Eppertshausen anbieten, sind dort mit Adresse aufgeführt“, erklärt die Gemeinde, die ihre etwa 6000 Einwohner:innen nicht im Stich lassen wolle. „Die angefragten Apotheken waren sehr kooperativ und sind gerne bereit, die Eppertshäuser Bevölkerung zu beliefern.“

Hoffnung auf Nachfolge

„Unsere Hoffnung besteht mit darin, dass die mediale Berichterstattung die Aufmerksamkeit von interessierten Apothekenbetreibern findet.“ Über einen Mittelsmann habe man bereits Kontakt zu einem Apotheker herstellen können. „Dieser hat sein Interesse an einer Übernahme der Valentins-Apotheke jedoch verneint“, bedauert die Gemeinde.

Man unterstütze nach Möglichkeit alle Bestrebungen, die zu einer Wiedereröffnung der Apotheke am bekannten Standort im Ortskern von Eppertshausen führen. „Dort gibt es eine noch gültige und auf die dortigen Räume abgestimmte Betriebserlaubnis. Das würde eine nahtlose Wiedereröffnung der Apotheke ermöglichen“, so die Gemeinde.

Daneben bemühe sich die Gebäudeeigentümerin um eine Nachvermietung an einen Apotheker. „Hier sehen wir die Eigentümerin am Zug, da nur diese über die Vermietungskonditionen oder weitere Nutzung entscheidet“, stellt die Gemeinde klar. „Sollte die Wiedereröffnung binnen sechs Monate scheitern, würden wir uns um die Ansiedlung einer neuen Apotheke an einer anderen Stelle in Eppertshausen bemühen.“

Im Rahmen der Apothekenreform hatten die Länder eine neue Regelung für solche Fälle ins Spiel gebracht: Kommunal betriebene Notapotheken sollen nicht erst nach sechs Monaten, sondern schon bei Ankündigung einer Schließung eröffnet werden und dann einen Bestandsschutz von zehn Jahren haben. Diesen Vorschlag will das Bundesgesundheitsministerium (BMG) prüfen.

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