Nachtdienstgedanken

Hilfe, ich hab' Deflation

, Uhr
Berlin -

Die letzten Kunden sind weg und die Türen sind abgeschlossen. Während Max, meine Lieblingsfantaschale, für heute schon längst Feierabend hat, sitze ich im Büro mit einer Tasse Kaffee und gehe die Preisänderungen durch. Wieder mal herrscht Deflation im Alphabet.

Es ist 20.15 Uhr und statt des aktuellen Tatorts im Fernsehen sehe ich mir die Preisänderungsliste im Computer an. Zu Freitag wurden die Festbeträge einiger teurer Arzneimittel angepasst, was mir persönlich aber nicht passt.

„Wie wäre es, wenn du dir mal die Liste ausdruckst“, sagt Max. Vor lauter Zahlen im Kopf habe ich ganz vergessen, die tolle Funktion unserer Software zu nutzen. Danke für Idee. Druckfrisch halte ich nun das gute Stück Papier in der Hand. Schnell bemerke ich, dass diese Liste viel spannender ist als der Film, der im Hintergrund läuft. Während mein Blutdruck langsam in die Höhe steigt, muss trotzdem eine weitere Tasse Kaffee her.

Ich schaue einen Moment in die Leere, als mich Max erschreckt: „Wie viele unserer Präparate sind denn davon betroffen?“ Es sind nicht alle, aber doch einige. Grob überschlagen bin ich mehrere tausend Euro los, wenn ich mich nicht so schnell wie möglich zu den Herstellern betteln gehe. Zum Glück denken von denen auch welche an die Apotheker, die – wie häufig im Gesundheitswesen – sonst alles ausbaden müssen.

„Siehst du, ist doch halb so schlimm“, bemerkt Max. „Die Firmen kommen dir doch entgegen.“ Ja sicherlich, aber das ist wieder mit viel Aufwand verbunden. Ich muss wieder irgendwas ausfüllen und dokumentieren – als ob wir im Apothekenalltag nicht schon genug damit zu kämpfen hätten.

Da der Bürostuhl langsam unbequem wird, lasse ich meinen Papierhaufen so liegen. Kaum lege mich hin, klingelt es. Aus der Ferne sehe ich eine Frau mit zwei kleinen Kindern, die an der Tür auf mich warten. Sie ist aufgewühlt und drückt mir ein Rezept in die Hand.

Sophie ist fünf Jahre alt und hat sich eine Infektion eingefangen. Sie klagt über Schmerzen. Schnell hole ich ihr das verordnete Paracetamol und das Antibiotikum aus der Schublade; ihr trauriger und bewegter Gesichtsausdruck lässt mich alles vergessen. Ihre Mutter nimmt die Tüte mit den Medikamenten in die Hand und lächelt mich an: „Danke, dass es Sie gibt!“

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