Drei neue Wege für das E-Rezept | APOTHEKE ADHOC
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Drei neue Wege für das E-Rezept

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Berlin -

Die Gematik-App ist viel zu umständlich, der QR-Code auf Papier peinlich undigital, der Versand via E-Mail hat die Datenschützer alarmiert, die eGK-Methode auch. Und Flüpke knackt jeden Konnektor. Deswegen müssen neue Weg zur Einlösung gefunden werden. Drei Vorschläge sind in der engeren Auswahl.

Variante 1: Einmal-eGK

Wenn die E-Rezept-Daten von Unberechtigten in Besitz einer fremden eGK eingesehen werden können, müssen die Schlüssel eben öfter ausgetauscht werden. Die Lösung: Versicherte erhalten für jede Verordnung eine neue Karte. Diese wird in der Praxis bedruckt, die personenbezogenen Daten sowie die Rezeptinformationen sind in einem QR-Code abgebildet. In der Apotheke wird die Karte eingelesen und anschließend sofort vernichtet. Die geschredderten Karten müssen die Apotheken zehn Jahre aufbewahren. Die Praxen bekommen für die Anschaffung der Kartendrucker einmalig 100.000 Euro, über die Bereitstellung der Karten-Rohlinge wird noch verhandelt.

Variante 2: Zaubertinte

Die Ärzt:innen schreiben die E-Rezepte mit Zaubertinte. Nur die Apotheken kennen die geheime Rezeptur für die Pulver-Mischung, mit der die Tinte sichtbar gemacht werden kann. Das Ganze funktioniert auch bei digital ausgestellten Rezepten. Das Pulver wird dann einfach in die Tastatur gestreut, schon erscheint die Verordnung auf dem Monitor.

Variante 3: Die Praxis-Offizin

Das größte Risiko sind die Übertragungswege. Diese gilt es also möglichst zu verkürzen. Und das beutet in letzter Konsequenz: Die Apotheke muss direkt zum Arzt ziehen. In der Praxis werden die Rezepte dann ausgestellt, angenommen, übergeben und eingelöst. Die Heilberufler:innen müssen zusammenrücken, nach den jüngsten Eskalationen der Standesvertreter vielleicht sowieso ganz hilfreich. Und Heizkosten spart das im Winter auch noch. Wo partout kein Platz für das Apothekenteam und den Kommissionierer ist, sollen die Ärzt:innen mit einem vorrübergehenden Dispensierrecht ausgestattet werden. Bei einer Blitzumfrage unter den Praxen gaben 97 Prozent die räumlichen Verhältnisse als „sehr eng“ oder „sehr sehr eng“ an und wollten das Sonderrecht beantragen.

Wenn Sie finden, dass diese Ideen alle komplett absurd klingen, müssen Sie einräumen, dass die Realität sich zum Teil gar nicht so weit davon entfernt aufhält. Weil den Datenschützern die eGK tatsächlich nicht so sicher erscheint, sollen die Patient:innen einen zusätzlichen Schlüssel bekommen. Statt einen kleinen rosa Zettel von der Praxis in die Apotheke zu tragen, müssten sie künftig eine Plastikkarte und einen großen weißen Zettel herumtragen. Würden die Krankenkassen allerdings den Versicherten endlich mal eine PIN schicken, wäre das eGK-Problem zumindest teilweise gelöst.

Was nützt andererseits ein sicherer Übertragungsweg, wenn der in der Apotheke endet. Ein paar Dutzend Apotheken können aktuell gar keine E-Rezepte mehr annehmen, weil ADG die Konnektoren von Red Medical nicht anbindet. Ein Apotheker hat sich sogar direkt bei Minister Lauterbach beschwert. Andererseits: Ein paar hundert Apotheken haben überhaupt noch nie ein E-Rezept gesehen und leben auch immer noch.

Abschlag und Kahlschlag

Das könnte sich allerdings schlagartig ändern, wenn sich der BKK-Dachverband mit seiner Forderung nach einem Deckel für das Apothekenhonorar durchsetzt. Die FDP-Bundestagsfraktion fragt beim Bundesgesundheitsministerium (BMG) nach, was der Spaß die Apotheken kosten würde. Wir haben das mal für euch ausgerechnet. Und auch den zweiten Teil der Frage beantwortet, nämlich was das für die Versorgungslandschaft bedeuten würde: einen Kahlschlag. Spätestens dann würden sich die Apotheken zum Streik verabreden. Tom und ich haben uns erstmal nur zum Podcast verabredet: Die Gier aufs Apothekengeld.

Auch Apothekenleiter:innen müssen die Arbeitszeit ihrer Teams erfassen. Wie das geht und was es dabei zu beachten gilt, erklärten unsere Experten im APOTHEKE ADHOC Webinar. Hoffentlich bleibt genug Arbeitszeit zu erfassen, denn mit der Herbstwelle steigt die Ausfallquote in den Apotheken. Immerhin gibt es jetzt angepasste Impfstoffe – und die Apotheken sind aktiv in der Impfkampagne beteiligt. Eigene Zertifikate für die fancy neuen Impfstoffe gibt es übrigens nicht.

So, Geld und Impfung abgehandelt, fehlt nur noch Homöopathie als Reizthema. Die Argumente dafür und dagegen sind tausendfach ausgetauscht, kreativ war die Idee mit dem HomöopaTea aber schon. Aber die Frage dahinter ist größer. Lauterbach will Schluss machen mit Satzungsleistungen. Die Debatte ist eröffnet, ich bin raus. Schönes Wochenende!

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