Jahrelang hielt die Agentur für Präqualifzierung (AfPQ) die Apotheken auf Trab, doch 2024 wurde die Pflicht für apothekenübliche Hilfsmittel gestrichen. Ausgerechnet in dem Jahr lief es aus wirtschaftlicher Sicht für das Unternehmen aus Eschborn am besten. Haben die Gebühren für die außerordentliche Kündigung der Tochterfirma des Deutschen Apothekerverbands (DAV) einen Geldsegen beschert?
Mit dem Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) war die Präqualifizierung für apothekenübliche Hilfsmittel zum 1. April 2024 abgeschafft worden, DAV und GKV-Spitzenverband hatten sich auf 18 Produktgruppen geeinigt. Die AfPQ räumte den Apotheken ein dreimonatiges Sonderkündigungsrecht ein – das allerdings kostenpflichtig war: Wer schriftlich per Post oder Mail kündigte, musste 89 Euro pro Standort plus Umsatzsteuer zahlen. Über das Online-Formular wurden 45 Euro abgerechnet. Wer gar keine Präqualifizierung mehr wollte, wurde mit 149 Euro pro Betriebsstätte zur Kasse gebeten.
Viele Apotheken machten von der Möglichkeit trotzdem Gebrauch, denn schon zuvor hatte es immer wieder Beschwerden über die andauernden Gängeleien der AfPQ gegeben. Umso überraschender ist es, dass ausgerechnet das Jahr, in dem der Präqualifizierungsstelle ein wesentlicher Teil ihrer Geschäftsgrundlage entzogen wurde, für das Unternehmen wirtschaftlich außerordentlich erfolgreich war.
Allzu große Gewinne hat die AfPQ in der Vergangenheit nie gemacht. 2022 waren es in der Spitze 540.000 Euro, 2023 dann 328.000 Euro. In den Jahren zuvor wurden jeweils eine schwarze Null oder sogar Verluste eingefahren, 400.000 Euro etwa 2019. Umso erstaunlicher dann der Überschuss von 946.000 Euro, der im Jahr 2024 plötzlich zusammenkam.
Zwar gab es einen weiteren Sondereffekt: Anfang 2024 wurden die MGDA auf die AfPQ verschmolzen, auf diese Weise konnte bei der Zertifizierungsfirma ein Reinvermögen in Höhe von 569.000 Euro in die Rücklagen eingestellt werden. Darüber hinaus brachte die MGDA aber keine größeren Bilanzpositionen mit. In der Summe führten wohl beide Effekte – Verschmelzung und Gebühren für die Sonderkündigung – dazu, dass die Bankguthaben der AfPQ von 1,1 auf 2,6 Millionen Euro anwuchsen. Die Geschäftsstelle in Eschborn ließ eine Nachfrage dazu unbeantwortet.