Für viele Patient:innen ist Aponet nach wie vor eine wichtige Anlaufstelle, wenn sie nachts oder an Feiertagen dringend eine Apotheke brauchen. Umso ärgerlicher ist es, wenn die Angaben auf der von der Abda herausgegebenen Seite nicht stimmen. Nur durch Zufall bemerkte Dr. Lilli Amelung am Neujahrstag, dass vor ihrer gerade erst dauerhaft geschlossenen Apotheke Kundschaft wartete – dabei war der Notdienst vor Monaten umgelegt worden.
Amelung betreibt aktuell drei Apotheken in Bad Doberan. Ihre vierte, die Kamp-Apotheke, schloss am 28. Dezember für immer ihre Türen. Dies hatte sie den zuständigen Behörden und der Kammer bereits im Oktober mitgeteilt. Die Schließung wirkte sich auch auf die Notdienstplanung aus, denn die Kamp-Apotheke sollte ausgerechnet am 1. Januar Bereitschaft haben.
Um die Versorgung sicherzustellen, wurde der Notdienst umverteilt. Die Lütten-Klein-Apotheke in Rostock übernahm den Dienst für den Neujahrstag. Als Amelung am Feiertag am frühen Nachmittag einen Spaziergang mit ihrer Familie durch Bad Doberan machte, fielen ihr jedoch Personen vor ihrer geschlossenen Apotheke auf.
„Auf Aponet stand immer noch, dass die Kamp-Apotheke Notdienst hat“, berichtet die Inhaberin. Sie brachte daraufhin Aushänge an, um die Patient:innen richtig zu leiten. „Die Aushänge hingen aber erst ab circa 14 Uhr; wer weiß, wie viele Menschen von 8 bis 14 Uhr schon da gewesen sind.“ Auch das Telefon überprüfte sie – es gab etliche verpasste Anrufe.
Amelung wandte sich zunächst an die Kammer. Dort wurde ihr allerdings versichert, dass die Änderung im Notdienst an Aponet weitergegeben worden sei. „Das ärgert mich insofern besonders, weil Apotheken alles richtig machen müssen“, sagt die Apothekerin. Die Leidtragende sei sie, obwohl der Fehler woanders liege. „Die Kunden denken in dem Fall, wenn sie vor verschlossenen Türen stehen, nicht: ‚Da wird wohl eine Angabe im Internet falsch sein‘, sondern: ‚Was ist das für eine blöde Apotheke, die ihren Dienst nicht einhält?‘“, ärgert sich die Inhaberin.
Auf Anfrage, wie es zu solchen Falschmeldungen komme und wie Inhaber:innen bei Fehlern schnell und zuverlässig eine Korrektur erwirken können, verwies die Abda auf die Landesapothekerkammern. „Bitte wenden Sie sich an die zuständige Apothekerkammer. Vergleichbare Fälle sind uns aktuell nicht zu Ohren gekommen“, erklärt eine Sprecherin.
Die Apothekerkammer Mecklenburg-Vorpommern (AKMV) betont dagegen auf Nachfrage, dass Aponet ein unabhängiges Unternehmen sei, das sich um die Richtigkeit seiner Daten bemühen müsse. Die Kammern stellten die Daten regelmäßig kostenlos zur Verfügung.
Es handle sich in diesem Fall allerdings um einen Einzelfall, der durch die Verkettung unglücklicher Ereignisse entstanden sei. Die Daten für 2025 seien noch über das alte System gemeldet worden, jene für 2026 bereits durch das neue. Teils hätten Feiertage und verspätete Rückmeldungen dabei die Abstimmung mit Aponet zusätzlich erschwert.
Durch das neue System ab 2026 würden die Daten künftig häufiger und automatisiert gemeldet, sodass solche Fälle in Zukunft seltener werden sollten. Zuverlässige Daten könnten auf den Webseiten der jeweiligen Landesapothekerkammer abgerufen werden.