In der Jahreszeiten Apotheke York-Center in Münster setzt sich Apotheker Johannes Jokiel für Prävention ein. Dass sich die Mühe mitunter trotz Ablehnung durchaus lohnt, zeigt ein Beispiel von Samstag. Der angestellte Approbierte empfahl einem Patienten eine routinemäßige Blutdruckmessung – das Ergebnis schockierte ihn und seine Kolleg:innen und er empfahl dringend den Gang zur Notaufnahme.
Jokiel empfahl einem Mann im Alter von 65 Jahren am Samstagmorgen die Routine-Blutdruckuntersuchung in der Apotheke. Dabei sei es darum gegangen, zu zeigen: „Das geht bei uns – und zwar schnell, professionell und ohne Termin“, sagt er. Es habe jedoch keinen Verdacht auf eine Unregelmäßigkeit gegeben. Der Mann habe komplett gesund und „normal“ ausgesehen.
Das Ergebnis auf dem Messgerät „hat uns kurz innehalten lassen“, sagt Jokiel. Gezeigt wurde ein Wert systolisch über 200 mmHg und diastolisch über 100 mmHg. „Unser erster Gedanke war ein Messfehler. Also zweites Gerät. Gleicher Wert. Drittes Gerät. Wieder derselbe Wert“, sagt er.
Auch der Mann habe den hohen Wert nicht wahrhaben wollen. Das sei verständlich, da er sich gut gefühlt habe – ohne Schmerzen, Beschwerden oder Unruhe. „Genau das macht Bluthochdruck so tückisch.“ Der Apotheker empfahl dem Mann dringend, die Werte sofort im Krankenhaus oder in einer notdiensthabenden Praxis abklären zu lassen.
„Ein unbehandelter Blutdruck in dieser Höhe ist kein Zufallsbefund. Er kann innerhalb kürzester Zeit zu einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt, einer akuten Herzinsuffizienz oder bleibenden Nierenschäden führen“, sagt er. Am Abend sei der Mann zurück in die Offizin gekommen. „Genauso ruhig wie morgens. Diesmal mit zwei neu verordneten Blutdrucksenkern und dem klaren Auftrag, nächste Woche zum Hausarzt zu gehen.“
Er sei ein Vorbildkunde gewesen. Ursprünglich habe er ein Allergiemittel kaufen wollen. „Es hat sich für ihn auf jeden Fall gelohnt, dieses in der Apotheke vor Ort zu kaufen und nicht bei einer Online-Apotheke.“ Blutdruckmessungen seien keine nette Zusatzleistung. „Sie sind Prävention und niedrigschwellige Gesundheitsversorgung. Und manchmal sind sie der entscheidende Anstoß, bevor etwas wirklich Schlimmes passiert.“
Deshalb lohne es sich, einmal mehr zu messen. Auch wenn man teilweise „viel Ablehnung erlebt. Man muss versuchen, das nicht persönlich zu nehmen.“ Solche Momente zeigten immer wieder, was öffentliche Apotheken leisteten. „Oft leise, oft unspektakulär, aber mit echter Relevanz.“