Apotheken rechnen sich nicht überall dort, wo Ärzte angesiedelt sind. Auch Robert Götz aus Bayern musste vor drei Jahren eine Filiale schließen, weil der Betrieb nicht mehr wirtschaftlich war. Drei Apotheken blieben – jetzt kommen drei E-Rezept-Bestellterminals dazu. Dabei will er mit einer Videofunktion den persönlichen Kontakt ins Backoffice ermöglichen. „Die stationäre Apotheke steht weiter im Mittelpunkt und nicht irgendein Automat“, betont er.
Götz betreibt im Norden von München drei Apotheken in zweiter Generation. Die Standorte liegen rund 20 Kilometer voneinander entfernt. Zum Angebot dazu gehören seit dem Jahreswechsel Bestellterminals. „Sie stehen in der Nähe zu Arztpraxen in Gemeinden im weiteren Einzugsbereich, in denen entweder die letzte Apotheke geschlossen hat oder es gar keine gab.“ Sie sollen außerhalb der Praxen, jedoch in direkter Nähe dazu liegen.
Zwei Anlagen in Hohenkammer im Landkreis Freising und in Schweitenkirchen im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm sind bereits installiert. Ein drittes Gerät soll in Kranzberg folgen. Die Terminals liegen damit maximal 20 Kilometer von der Hauptapotheke entfernt. Insgesamt investiert Götz rund 50.000 Euro. „Ob es sich rentieren wird, wird sich zeigen.“ Aber man müsse den Menschen ein Angebot machen. Wichtig sei, dass der Betrieb die das neue Liefergebiet logistisch bedienen könne. „Der Botendienst muss vom Aufwand her dazu passen.“
Wichtig war ihm, nicht einfach nur ein Gerät aufzustellen. „Bei Fragen sind wir immer über einen Bildschirm erreichbar. Die stationäre Apotheke bleibt und wir verlieren den persönlichen Kontakt nicht.“ Wer sich bei der E-Rezept- oder OTC-Bestellung nicht mit per Video zu schalten lassen will, kann sein Medikament bestellen und es entweder in einer Götz-Apotheke abholen oder sich liefern lassen.
Die Terminals richteten sich an ältere Kundinnen und Kunden, Menschen ohne Auto oder viel Beschäftigte wie etwa Alleinerziehende, die sich Wege sparen wollten. „Es ist wichtig als Apotheke am Ort zu bleiben, auch wenn sich ein voller Standort nicht lohnt.“ Für ihn sind die Terminals eine bessere Lösung als Zweigapotheken. „Wir sind bei Fragen immer da und liefern persönlich aus, das kann auch der Versand nicht leisten.“
Das Ziel sei nicht, möglichst viele Terminals aufzustellen, sondern die Randgemeinden sinnvoll zu versorgen. „Ich möchte auch kein Terminal in einem Supermarkt.“ Stattdessen setzt Götz auf Gebäude der Gemeinden und mietet sich dort ein. Das Terminal sei einmal eine unbürokratische Lösung, die jedoch über den Versand kontrolliert werden und dem deutschen Recht unterliege.
Die Terminals der Vor-Ort-Apotheken seien auch eine Antwort auf den Versandhandel. „Das können ausländische Versender nicht leisten.“ Auch über eine Packstation direkt bei den Terminals denkt Götz bereits nach. Die Abholfächer liefen über den regionalen Versand und die Kammer sehe keine Probleme – solange sie durch Fachpersonal befüllt würden und die Ware temperaturkontrolliert sei. „Das ist nur ein weiterer Weg für die Vor-Ort-Apotheke, der jedoch auch personalintensiv sei.“ Insgesamt werde so die Vor-Ort-Apotheke gestärkt.
