Kindersicherer Verschluss ist keine Kassenleistung

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Berlin -

BtM-Rezepte scheinen bei der DAK unter besonderer Beobachtung zu stehen. So wurden Verordnungen mit einem fehlenden „A“ retaxiert, da dies gesundheitsgefährdende Wirkungen haben könne – besonderen Augenmerk legte die Kasse auf Folgeverordnungen. Aktuell sorgen Retaxationen kindergesicherter Verschlüsse für schlechte Laune bei den betroffenen Apothekern.

Die Substitutionstherapie kann sowohl im Take-home-Bedarf als auch zur Sichtvergabe verordnet werden. Während für die Einnahme des Substituts unter Aufsicht in der Apotheke eine Vereinbarung zwischen Arzt und Apotheke geschlossen und diese schriftlich oder elektronisch festgehalten und dokumentiert werden muss, gibt es für den Take-home-Bedarf eine freie Apothekenwahl mit Kontrahierungszwang. Als Substitutionsmittel werden beispielsweise Levomethadon, Methadon oder Buprenorphin verordnet. Für die Abrechnung findet die Hilfstaxe Anwendung.

Die DAK retaxiert aktuell kindergesicherte Verschlüsse für Zubereitungen mit Levomethadon für den Take-home-Bedarf – mit folgender Begründung: „Kein Vertragsgegenstand, keine Kassenleistung, daher kein Zahlungsanspruch.“ Zu Unrecht, denn die Hilfstaxe erlaubt eine Abrechnung: „Sofern bei der als ‚Take-home‘ gekennzeichneten Verordnung ein kindergesicherter Verschluss abgegeben wird, kann dieser zusätzlich abgerechnet werden.“

Für die Sichtvergabe gilt der Passus demnach nicht. Hier greift der Zusatz: „Eine gesonderte Abrechnung von Gefäßen, Etiketten usw. ist grundsätzlich nicht möglich.“ Im vorliegenden Fall wurde eine Mischverordnung ausgestellt, Take-home und Sichtvergabe wurden also auf einem Rezept verordnet. Der Patient sollte für sechs Tage mit dem Take-home-Bedarf versorgt werden und an einem Tag in der Apotheke zur Sichtvergabe erscheinen. Entsprechend der Hilfstaxe hatte die Apotheke der DAK sechs kindergesicherte Verschlüsse für insgesamt 1,86 Euro in Rechnung gestellt. Diese wurden von der Kasse abgezogen. Dem Vernehmen nach ist die Apotheke kein Einzelfall, die DAK hat weitere Retaxationen an Substitutionsapotheken verschickt und bislang nicht auf deren Einsprüche reagiert.

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