Streit um Rx-Portale

Cannabis: Plattform statt Beipackzettel

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Berlin -

Rx-Medikamente per Fragebogen: Der Bundesgerichtshof (BGH) beschäftigt sich mit der Frage, wie viel die Verschreibungspflicht heutzutage noch wert ist. Die beiden Plattformbetreiber Wellster und Bloomwell kämpfen um ihr Geschäftsmodell. Laut Prozessbeobachtern ließ der BGH erkennen, dass er die Sache kritisch sieht. Bloomwell-CEO Dr. Julian Wichmann findet dagegen, dass seine Branche einen wichtigen Beitrag zur Arzneimittelsicherheit leistet.

Die Sitzung am BGH habe gezeigt, dass medizinisches Cannabis juristisch ein hoch komplexes Thema bleibe, so Wichmann. „Die große Frage lautet weiterhin, ob und in welchem Umfang man allgemein über die Therapie mit Medizinalcannabis informieren darf.“ Der BGH habe auf Beipackzettel als rechtssicheres Informationsmedium hingewiesen. „Nur existieren diese eben für Medizinalcannabis nicht. Daher stellt sich die grundsätzliche Frage, woher die Bürger:innen ihre Informationen beziehen sollen. Möglicherweise bleiben ihnen bald nur noch interne Chatgruppen.“

Man hoffe, dass der BGH die Sonderstellung von Medizinalcannabis im Arzneimittelbereich anerkenne, so Wichmann. „Anders als bei Fertigarzneimitteln wie beispielsweise Ibuprofen 800 gibt es eben nicht den einen Wirkstoff, sondern alleine in Deutschland weit über 1000 verschiedene Sorten. Selbst in den allermeisten Hausarzt-Praxen können sich Patient:innen nicht ausreichend informieren, da dort nur ein Bruchteil überhaupt mit Medizinalcannabis behandelt. Die spezialisierten Ärzt:innen finden Patient:innen fast ausschließlich über Telemedizin-Plattformen wie Bloomwell.“

Mit Blick auf das geplante Medizinalcannabisgesetz (MedCanG) hatte Bloomwell im vergangenen Jahr eine Umfrage unter 500 Hausärzt:innen durchgeführt. 27 Prozent hätten erklärt, seit Anfang April 2024 noch nie medizinisches Cannabis verordnet zu haben. Weitere 36 Prozent hätten es weniger als sechs Patientinnen und Patienten verordnet. Bereits im August hatte eine Analyse von Bloomwell ergeben, dass für die Hälfte der Cannabis-Patient:innen in Deutschland der Weg bis zur nächsten auf Cannabis spezialisierten Apotheke weiter als zehn Kilometer entfernt ist.

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