Rohertrag passt nicht zum Umsatz

„Hochpreiser sind unerträglich“

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Berlin -

Die zunehmende Zahl an Rezepten mit Hochpreisern sorgt in Apotheken für schlechte Stimmung. Die Mischkalkulation funktioniere nicht mehr, sagt Esther Herres Bargon. Die Inhaberin der Rodenstein Apotheke in Weinheim weist auf einen Strukturwandel bei den Verschreibungen hin, der viel zu lange nicht aufgefallen sei und Ertrag koste.

Hochpreiser sind in den Apotheken aus verschiedenen Gründen nicht beliebt. Denn ein einzelnes Rezept kann mehrere tausend Euro binden und gleichzeitig viel Arbeitsaufwand wegen der Vorfinanzierung bedeuten. Das führt zu Druck in den Betrieben, denn die wirtschaftliche Lage ist ohnehin angespannt.

Hochpreiser machen laut Abda-Zahlen mengenmäßig weniger als 1 Prozent aller Rx-Packungen aus, verursachen jedoch mehr als 40 Prozent der GKV-Ausgaben. Damit entfällt ein großer Teil des Umsatzes auf einen sehr kleinen Absatzanteil. Wenn Apotheken immer öfter hochpreisige Rezepte abgeben, steigt das finanzielle Volumen pro Rezept und damit auch die wirtschaftliche Fallhöhe etwa mit Blick auf Retaxationen.

Apotheken verlieren Rohertrag

Auch Herres Bargon kennt wie viele andere Inhaberinnen und Inhaber die Problematik. „Der Strukturwandel bei Verschreibungen ist viel länger da, als wir ihn beobachten“, sagt sie. Vor Corona seien die Zinsen noch so gut gewesen, dass man die Ertragsrückgänge kaum wahrgenommen hätte. Auch sie spürte zuletzt bei ihren Apotheken die wirtschaftlichen Herausforderungen. „Trotz steigender Umsätze verlieren wir Apotheken immer mehr Rohertrag an den vielen hochpreisigen Medikamenten mit denen wir versorgen müssen – auch die Packungsanzahl sinkt und damit ist die eh schon viel zu geringe Fixumsvergütung noch einmal weniger in der Gewichtung des Ertrags einer Apotheke wert.“

Gemeinsam mit einem Berater suchte sie nach Stellschrauben für ein besseres Ergebnis. Anhand des Januars lasse sich „eine klare Fehlentwicklung“ in den Apotheken aufzeigen, sagt Robert Fries. „Der überwiegende Teil des Umsatzes wird durch hochpreisige Arzneimittel generiert, trägt jedoch nur in sehr begrenztem Maße zum Rohertrag bei.“ Die Ertragsbasis der Apotheken erodiere trotz steigender Umsätze. Gleichzeitig gebe es wegen der höheren Kapitalbindung bei hochpreisigen Arzneimitteln steigende Risiken. Das bestehende Vergütungssystem sei nicht mehr leistungsorientiert und nicht an die Marktstruktur angepasst. „Es berücksichtig weder die tatsächlichen Kosten der Leistungserbringung noch die veränderte Arzneimittelpreisstruktur.“

Mischkalkulation stimmt nicht mehr

Ein Knackpunkt der Veränderung sei die Zunahme innovativer, kostenintensiver Therapien und ein Rückgang klassischer, niedrigpreisiger Standardmedikation. Bei Rheuma, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen kämen heutzutage häufig teurere Therapien zum Einsatz, die früher mit günstigen Arzneimitteln behandelt wurden, sagt die Apothekerin. „Die Mischkalkulation stimmt nicht mehr. Hochpreiser sind unerträglich, sie bringen uns keinen Ertrag.“ Nur eine Patientin oder ein Patient könne mit einem teureren Arzneimittel eine Apotheke ins kippen bringen. „So viel Kontokorrent habe ich nicht.“

Herres Bargon plädiert für eine Anpassung der Arzneimittelpreisverordnung. Zusätzlich zur Honorierung der Arzneimittelabgabe müsse ein Sockelbetrag in Form einer Pauschale für Apotheken geschaffen werden. Dieser sei nötig für die Arbeit in kritischen Zeiten. Zudem müsse es Energiekosten sowie Laborzuschüsse geben.

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