Die Kombination aus Vitamin C am Morgen und Vitamin‑A‑Derivate am Abend trendet nach wie vor – nicht nur auf Social Media. Die wissenschaftliche Literatur dazu setzt sich aus mechanistischen und klinischen Untersuchungen zusammen. Diese zeigen, dass diese Wirkstoffe unabhängig voneinander positive Veränderungen fördern können. Für Apothekenteams eröffnet das die Möglichkeit, Kundinnen und Kunden sachlich und zielgerichtet über Wirkungsweise, Anwendung und Verträglichkeit zu beraten.
Die Kombination von Vitamin C am Morgen und Retinoiden am Abend wird in der Hautpflege häufig eingesetzt, weil beide Substanzen grundsätzlich unterschiedliche Wirkmechanismen adressieren.
Topisch angewendetes Vitamin C fungiert als starkes Antioxidans, das UV-induzierte freie Radikale neutralisiert und so oxidativem Stress effektiv entgegenwirkt. Es stimuliert die körpereigene Kollagensynthese, was die Elastizität und Spannkraft der Haut festigt. Zudem verbessert es das Hautbild durch den Ausgleich von Pigmentunregelmäßigkeiten und glättet die Oberflächentextur für ein spürbar weicheres Hautgefühl.
Retinoide wie Retinol oder Retinal wirken über mehrere Ebenen: Sie fördern die Zellerneuerung und verdicken die Epidermis, was die Hautoberfläche glättet. Durch die Anregung der Kollagenproduktion und die Modulation der extrazellulären Matrix unterstützen sie die strukturelle Integrität und führen zu einem Remodelling der Hautmatrix. Zusätzlich optimieren sie die Melaninverteilung, was Pigmentierungen ausgleicht und für einen gleichmäßigeren Hautton sorgt.
Die Empfehlung zur kombinierten Anwendung von Vitamin C und Retinol beruht nicht auf einer einzigen modernen Leitstudie, sondern auf verschiedenen wissenschaftlichen Bausteinen. Eine frühe mechanistische Untersuchung ist die histologische Arbeit aus dem Jahr 2005 mit dem Titel „Histological Evaluation of a Topically Applied Retinol-Vitamin C Combination“. Sie gilt heute als Leitstudie.
Hierbei wurden nach der kombinierten topischen Anwendung strukturelle Veränderungen in Epidermis und Dermis beobachtet. Dazu zählen eine Zunahme der epidermalen Dicke um zirka 25 Prozent. Außerdem verstärkte sich eine Expression von Kollagen IV und VII. Dies weist auf eine Beeinflussung des Kollagenstoffwechsels hin. Begleitend zeigten sich eine Reduktion der Faltentiefe um 15–20 Prozent und eine um 20 Prozent gesteigerte Elastizität.
Die praxisnahe klinische Wirksamkeit wurde unter anderem in einer zwölfwöchigen Untersuchung mit dem Titel „An Open Label Clinical Trial to Evaluate the Efficacy and Tolerance of a Retinol and Vitamin C Facial Regimen in Women With Mild-to-Moderate Hyperpigmentation and Photodamaged Facial Skin“ analysiert. Die Autor:innen berichteten über signifikante Verbesserungen der Hautstruktur und der Hyperpigmentierung bei lichtgeschädigter Haut. Die Anwendung wurde als insgesamt gut verträglich beschrieben, wobei lediglich die für Retinoide erwartbaren, meist milden Anfangsreaktionen auftraten.
Auch neuere, in den 2020er-Jahren publizierte klinische Untersuchungen – wie etwa die Arbeiten „Synergistic anti-aging effects of topical vitamin C and retinoids: a clinical evaluation“ (2024) oder „Instrumental evaluation of a skin-brightening regimen containing vitamin C and retinol“ (2025) – bestätigen, dass kombinierte Vitamin-C- und Retinoid-Regime über mehrere Wochen klinisch relevante Effekte erzielen können. Diese Arbeiten sind zwar überwiegend offen angelegt und nicht placebokontrolliert, liefern jedoch konsistente Ergebnisse hinsichtlich der Verbesserung von Hautbild und Textur.
Für die praktische Beratung in der Apotheke bedeutet diese Studienlage: Die kombinierte Anwendung von Vitamin C und Retinoiden ist fachlich stimmig, weil beide Substanzen unterschiedliche Aspekte der Hautgesundheit adressieren. Vitamin C am Morgen nutzt seine antioxidativen und kollagenunterstützenden Effekte, wenn die Haut dem Tagesstress und UV‑belastung ausgesetzt ist. Retinoide am Abend nutzen ihre zellregulierenden und strukturverbessernden Effekte, wenn die Haut regeneriert und einer längeren Wirkung ohne direkte UV‑Exposition Raum gibt.
Die Pflegeroutine aus Vitamin C und Retinoiden eignet sich für Personen mit Zeichen von Photoaging, ungleichmäßigem Hautton, Hyperpigmentierung oder einer strukturellen Hautveränderung. Sie ist weniger geeignet für Menschen mit sehr empfindlicher, stark reizempfindlicher oder entzündlich veränderter Haut, sofern keine abgestimmte, milde Formulierung und begleitende Pflege besprochen wird.
In der Beratung sollten Apothekenteams betonen, dass es sich um eine langfristige Pflege handelt, bei der Verträglichkeit und Konsequenz wichtiger sind als Maximalkonzentrationen. Kundinnen und Kunden sollten realistische Erwartungen an die Zeit bis zu sichtbaren Ergebnissen haben, da sowohl Vitamin C als auch Retinoide über mehrere Wochen regelmäßiger Anwendung wirken.
Für eine effektive Hautpflege sind vor allem Retinol und Retinal (Retinaldehyd) empfehlenswert, da sie ein optimales Verhältnis zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit im kosmetischen Bereich bieten. Während Retinol in zwei Schritten in die aktive Retinsäure umgewandelt wird, benötigt Retinal nur einen Umwandlungsschritt, was es potenziell wirksamer und schneller in der Anwendung macht.
Für Anwender:innen mit sehr empfindlicher Haut stellen Retinylester (wie Retinylpalmitat) eine mildere, wenn auch schwächere Einstiegsvariante dar. Eine pflanzliche, besonders hautschonende Alternative ist zudem Bakuchiol, das ähnliche Anti-Aging-Effekte erzielt, ohne die typischen Reizungen von Vitamin-A-Derivaten hervorzurufen.
In der Beratung gilt: Einsteiger sollten mit 0,1 bis 0,3 Prozent Retinol oder 0,01 bis 0,05 Prozent starten. Erfahrene Anwender:innen können die Konzentration auf 0,5 bis 1,0 Prozent Retinol beziehungsweise 0,1 bis 0,2 Prozent Retinal steigern. Für Bakuchiol sind Wirkstärken von 0,5 Prozent für Einsteiger und bis zu 2 Prozent für Profis üblich.
In der Beratung sollten Apothekenteams betonen, dass Retinoide ausschließlich abends aufgetragen werden sollten. Um die Haut schrittweise an den Wirkstoff zu gewöhnen, ist eine langsame Einführung – beispielsweise nach der „1-2-3-Regel“ oder mit zwei Anwendungen pro Woche – essenziell. Diese empfiehtl das folgende Applikationsschema für Retinoide:
Da Retinoide die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen und die Hautbarriere vorübergehend beanspruchen können, sind eine begleitende Feuchtigkeitspflege und ein konsequenter täglicher Sonnenschutz von im besten Fall LSF 50 am nächsten Morgen unerlässlich. Für sichtbare Ergebnisse ist Geduld gefragt, da sowohl Vitamin C als auch Retinoide ihre volle Wirkung erst über mehrere Wochen regelmäßiger, konsequenter Anwendung entfalten.
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