Synergetische Effekte

Anti Age: Kombinierte Nährstoffe verjüngen die Haut

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Berlin -

Ernährung lässt sich als Schlüssel zur Hautgesundheit biologisch präzise steuern. Eine neue Metaanalyse fasst dafür erstmals exakte Dosierungen und Zeiträume zusammen, in denen spezifische Nährstoffe Falten messbar reduzieren. Die Ergebnisse belegen zudem, dass die synergetische Wirkung kombinierter Stoffe deutlich effektiver ist als die Gabe von Einzelpräparaten.

Das Streben nach gesundem Altern gewinnt durch die höhere Lebenserwartung und den Fokus auf Lebensqualität an Bedeutung. Der Rahmenplan der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für gesundes Altern definiert dies als Erhalt der Funktionsfähigkeit.

Ein entscheidender Faktor sei dabei die Prävention durch körperliche Aktivität und eine Ernährung, welche die biologischen Reserven des Körpers stützt. In diesem Kontext rückt die Haut als Indikator für den allgemeinen Gesundheitszustand in den Fokus der Forschung.

Ernährung als veränderbarer Faktor

Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Ernährungsfaktoren wichtige Hautalterungsprozesse modulieren und so Faltenbildung, Hautfeuchtigkeit, Barrierefunktion und verschiedene andere Parameter der Hautalterung beeinflussen können.

Da die Auswirkungen der Ernährung auf die Hautalterung in der Vergangenheit uneinheitlich bewertet wurden, analysierte ein Forschungsteam der National University of Singapore 61 Humanstudien aus der Datenbank Web of Science. Die Ergebnisse definieren die Ernährung als einen veränderbaren Faktor für die Hautgesundheit.

Die Studie fasst die Auswirkungen von Ernährungsumstellungen auf die Hautalterung zusammen. Neben den allgemeinen Ergebnissen untersuchten die Forschenden auch verwandte Hautparameter wie Talgproduktion und Hautdicke.

Nährstoffe für Struktur, Elastizität und Feuchtigkeit

Die Forschenden benennen spezifische Nährstoffe und deren messbare Haupteffekte. Kollagen, Lipide, Fettsäuren und Polyphenole reduzieren die Faltenbildung. Zusammen mit Präbiotika und Probiotika erhöhen diese Stoffe die Hautfeuchtigkeit. Die Analyse zeigt dabei klare Schwerpunkte in der Wirkungsweise: Lipide und Fettsäuren weisen die stärkste Evidenz für die Steigerung der Elastizität auf, während Polyphenole besonders effektiv die Hautbarriere kräftigen.

Carotinoide erweisen sich als am wirksamsten bei der Minimierung von Hautrötungen (Erythemen), und Kollagen-Peptide erzielen die deutlichsten Effekte bei der Reduzierung von Pigmentflecken.

In Kombination besser

Während Vitamine wie Vitamin A, C und E sowie Mineralstoffe wie Zink und Selen als relevante Mikronährstoffe für diese Prozesse gelten, weisen die Forschenden darauf hin, dass die Studienlage hierzu im Vergleich zu Kollagen oder Lipiden weniger konsistent ist.

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist laut Forschenden die gesteigerte Wirksamkeit von Kombinationstherapien gegenüber der Gabe isolierter Einzelstoffe. Die Wissenschaftler:innen erklären dies durch eine Überlappungs-Theorie: Da viele Nährstoffe ähnliche biologische Wege – etwa die antioxidative Abwehr oder den Schutz der Bindegewebsmatrix – nutzen, wirken sie synergetisch zusammen und bekämpfen Alterungsprozesse von mehreren Seiten gleichzeitig.

Zucker als Alterungsbeschleuniger

Als negative Faktoren sind eine hohe Zuckerzufuhr und ein hoher glykämischer Index identifiziert. Diese führen über Glykation zur Bildung von Advanced Glycation Endproducts, welche die Kollagenfasern versteifen. Die untersuchten Zeiträume reichen von zwei Wochen bis zu sechs Monaten. Signifikante Effekte treten meist ab acht bis zwölf Wochen ein.

Die Dosierungen sind spezifisch definiert. Für Hyaluronsäure untersuchte das Team Mengen von 120 Milligramm pro Tag über einen Zeitraum von vier bis zwölf Wochen. Kollagenpeptide liegen im Grammbereich und Polyphenole zwischen 300 und 600 Milligramm pro Tag. Die Daten basieren primär auf Nahrungsergänzungsmitteln, wobei die Forschenden auf die Möglichkeit der Aufnahme über pflanzliche Lebensmittel hinweisen.

Hochwertige Lipide und Fettsäuren finden sich beispielsweise in Leinöl, Walnüssen oder Avocados, während Beeren, grüner Tee und dunkle Schokolade reich an Polyphenolen sind. Carotinoide lassen sich über Karotten, Tomatenmark oder Kürbis aufnehmen. Präbiotische Ballaststoffe, die als Nahrung für nützliche Darmbakterien dienen, stecken wiederum in Zwiebeln, Knoblauch oder Bananen.

Forschungslücken schließen

Die Effekte sind bei Proband:innen zwischen 35 und 65 Jahren am deutlichsten. Personen mit hoher UV-Exposition zeigen eine stärkere Reaktion auf Antioxidantien. Geschlechtsspezifische Unterschiede traten bei gewichtsadaptierter Dosierung nicht auf. Die Expert:innen schlussfolgern, dass diätetische Maßnahmen primär präventiv wirken und zur Verzögerung von Alterungsprozessen beitragen, während die Korrektur bereits bestehender tiefer Falten begrenzt bleibt.

Es bestehen laut der Wissenschaftler:innen weiterhin Forschungslücken. Insbesondere fehlen bisher publizierte Studien zum Effekt von Carotinoiden auf die Talgproduktion oder Hautdicke sowie Daten zu Vitaminen in Bezug auf Hautrötungen. Zukünftige Studien sollten daher verstärkt kombinierte Ernährungsinterventionen untersuchen.

Die Studie „Dietary interventions in skin ageing: a systematic review and meta-analysis“ ist im Journal of Physiological Anthropology erschienen.

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