Nach 36 Jahren übergab Dr. Bettina Zosel ihre Schwanen-Apotheke in Wermsdorf bei Leipzig an ihre Tochter. Der Zeitpunkt bot sich an, denn Carolin Zosel ist erst im April mit ihrer Promotion fertig geworden. Auf ihre Mutter wird die 27-jährige Inhaberin auch weiterhin zählen können: Sie bleibt als angestellte Apothekerin an der Seite ihrer Tochter.
Seit dem 1. Juli ist Zosel die neue Inhaberin der Schwanen-Apotheke. Erst seit März ist die junge Inhaberin fest in der Apotheke tätig, vorher war sie mit dem Studium und ihrer Promotion in Leipzig beschäftigt. Zosel kann auf ein erfahrenes Team zurückgreifen: Sie übernimmt alle Angestellten der Schwanen-Apotheke.
Hinsichtlich der aktuellen Gesamtsituation sieht für Zosel auch nicht alles rosig aus. „Wir sind in einer Situation, in der auch Kollegen, die schon lange dabei sind, sagen: ‚Diese Art von Apothekensterben und diese Unsicherheit habe ich noch nicht erlebt‘“, berichtet sie.
Das Fixum werde zwar nun angepasst, aber wieder nicht dynamisiert. „Ohne Inflationsausgleich und Dynamisierung kommen doch dieselben Probleme wieder auf uns zu“, kritisiert sie. Auch die unsichere globale Situation belaste die Apotheken, so würden die Betriebe wegen des Botendienstes beispielsweise auch unter hohen Spritpreisen leiden.
Die geplante Verhandlungslösung sei extrem schwierig zu antizipieren. „Das kann in jede Richtung gehen und Vorteile, aber auch Nachteile ergeben“, betont sie. Es sei aktuell eine Blackbox – „das heute schon abzuschätzen, traue ich mir nicht zu“. Natürlich hoffe sie, dass die Verhandlungslösung, wenn sie umgesetzt wird, zu einer langfristigen Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Apotheken führen werde.
„Gleichzeitig bin ich optimistisch“, sagt die Jung-Apothekerin. „Ich habe einen Grundoptimismus, dass wir weiterhin als Apotheken vor Ort in der Gesellschaft gebraucht werden und unsere Arbeit auch entsprechend vergütet wird.“
Generell findet Zosel die neuen Kompetenzerweiterungen gut. Wichtig sei es, dass die Apotheken standortindividuell entscheiden könnten, was sie sinnvollerweise anbieten können – mit Blick auf die individuelle Versorgungslage und die vorhandene Infrastruktur vor Ort. „Für uns ist Impfen keine Option, aber es wird Bezirke geben, wo das als ergänzendes Angebot sinnvoll ist“, so die Apothekerin.
„Pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) bieten wir bereits an und wollen wir auch weiterhin machen.“ Für die neuen pDL ist die Neu-Inhaberin aufgeschlossen, allerdings gebe es auch hier aktuell noch viele Unsicherheiten zur Ausgestaltung und hinsichtlich der Vergütung. Die Kompetenzerweiterungen seien außerdem deshalb positiv, weil die Apotheke in der Wahrnehmung als Gesundheitsdienstleister gestärkt werde.
Ein großes Problem sieht die junge Inhaberin vor allem durch den wachsenden wirtschaftlichen Druck durch den Versandhandel. „Die bieten Preise, die teilweise unter unseren Einkaufspreisen liegen und geben zusätzlich noch Rabatte, die wir als Apotheken gar nicht geben dürfen“, so Zosel. Zum Beispiel über pDL, denn die könnten die Versender nicht leisten. An ein wirksames Gegensteuern der Politik glaubt die Inhaberin nicht. „Ich halte es für unrealistisch, dass hier zeitnah gesetzlich der Riegel vorgeschoben wird.“
Entscheidend ist die Wahrnehmung der Kundinnen und Kunden: „Wir können beraten, Dienstleistungen anbieten und auch einfach da sein und zuhören – das wird auch sehr geschätzt, besonders hier auf dem Land“, berichtet sie. Das habe Zosel auch bei der Übernahme erlebt: Diese habe sie in der Apotheke auch mit den Kunden gemeinsam gefeiert. Das sei aber auch der Lage geschuldet. Hinsichtlich der Kundenbindung gebe es zwischen Apotheken im ländlichen Raum und städtischen Raum Unterschiede.