Dänisch-deutsche Kooperation

PTA-Schule übt Beratungsgespräche mit KI

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Berlin -

Egal ob Übungsapotheke oder Tischezusammenschieben: Beratungsgespräche werden in PTA-Schulen meist im Rollenspiel mit echten Menschen geübt. An der Theodor-Litt-Schule in Neumünster trainieren Schüler:innen Beratungssituationen jetzt mit eigens entwickelten KI-Assistenten. „Mit den Chatbots wollen wir möglichst echte Reaktionen simulieren, an denen sich die Auszubildenden ausprobieren können“, betont Lehrerin Ricarda Nottelmann.

An der Theodor-Litt-Schule wurde ein Lernmodul entwickelt, das Beratungsgespräche zu Erkältungssymptomen mit KI nachbildet. Sie ist selbst PTA und Apothekerin und bildet sei rund zehn Jahren an der Theodor-Litt-Schule aus. „Wir haben eine Lernapotheke mit Apotheken-Software und üben dort immer fleißig mit den Schülerinnen und Schülern.“

Das Ziel des Chatbots sei folglich nicht, die klassischen Rollenspiele langfristig abzuschaffen. „Wir wollen die Mensch-Mensch-Interaktionen nicht ersetzen“, betont Nottelmann. „Allerdings ist es schon so, dass die Schüler sich gegenseitig Worte in den Mund legen. Mit den Chatbots wollen wir möglichst echte Reaktionen simulieren, an denen sich die Auszubildenden ausprobieren können – on top sozusagen.“

KI mit Abda-Leitlinie

Aktuell werde der erste Chatbot zum Thema Husten in den PTA-Klassen erprobt. „Die Schüler beraten die KI. Im Nachgang gibt es dann einen Feedback-Bot, der die Abda-Leitlinie kennt und ausgibt, zu wie viel Prozent die Beratung korrekt war und was vielleicht noch gefehlt hat“, berichtet Nottelmann. Dabei gehe es nicht ausschließlich ums Beraten. „Unsere Schüler haben auch Spaß daran, die KI an ihre Grenzen zu bringen und Fehler zu entdecken. Das hilft uns natürlich sehr bei der Verbesserung weiter.“

Damit übe man laut Nottelmann nicht nur das Beraten von Hustenkund:innen, sondern schärfe auch die KI-Kompetenzen. „Sie lernen, dass künstliche Intelligenz nicht alles kann und wir PTA dringend brauchen. Wir wollen sie nicht ersetzen, müssen aber dennoch lehren, wie man mit der Technik von heute umgeht“, betont die Lehrkraft.

Ein weiterer Vorteil: Die Auszubildenden können den Chatbot auch zu Hause anwenden. „Sie können sich über einen Link einloggen und noch mal zum Thema Husten üben. Unser Hintergrundgedanke ist, dass sie Beratungsgespräche durchgehen können, ohne ein Gegenüber zu brauchen.“ Neben dem Hustenmodul gibt es auch einen Chatbot zum Thema Magen-Darm-Erkrankungen.

Weitere Projekte

Neben der regulären Ausbildung entstand zudem eine vereinfachte Version des Moduls im Rahmen einer Berufsfelderkundung für Schülerinnen und Schüler von Gemeinschaftsschulen. Zudem unterstützte ein von Lehrkräften entwickelter digitaler Assistent den Lernprozess. „Wir wollten jungen Menschen frühzeitig Einblicke in pharmazeutische Berufe ermöglichen. Die Schülerinnen und Schüler waren von den Aufgaben begeistert und haben sehr engagiert mitgearbeitet“, heißt es weiter.

Darüber hinaus werde aktuell an einem digitalen Heilpflanzengarten gearbeitet, „sodass man auch im Winter durch den blühenden Garten mit Hilfe von VR-Brillen gehen kann“. Außerdem arbeite eine weitere Lehrkraft an einem Projekt zur Tablettierung. Auch weitere Chatbots sind laut Nottelmann in Planung.

Kooperationsprojekt mit Dänemark

Die Beratungschatbots werden durch das deutsch-dänischen Projekts „MYRECross“ gefördert. „MYRE“ steht hierbei für „More Youths Realize Emerging Technologies“ und soll dafür stehen, mehr junge Menschen für Zukunftstechnologien zu begeistern und ihre Kompetenzen im Umgang damit zu stärken.

Das Projekt ist im Jahr 2025 gestartet und auf drei Jahre angelegt. Insgesamt zehn Bildungs- und Forschungseinrichtungen aus Süddänemark und Norddeutschland nehmen teil. Gemeinsam entwickeln die Partner 110 neue Lernmodule entlang der gesamten Bildungskette, von der Sekundarstufe I über die berufliche Bildung bis hin zu Fachhochschulen und Hochschulen.

„Unsere Schule arbeitet mit einer Pflegeschule aus Dänemark zusammen“, erklärt Nottelmann. Diese arbeite an einem ähnlichen KI-Projekt wie die Theodor-Litt-Schule. „Wir wollen zukünftig unsere Ideen bündeln und ein gemeinsames Projekt zur Kommunikation bei psychischen Erkrankungen entwickeln.“

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