Apothekenprotest in Deutschland

„Wir stehen vor dem Nichts“ – Stimmen vom Protest

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Berlin -

Auf insgesamt fünf Veranstaltungen versammeln sich heute die Apotheker:innen mit ihren Teams. Viele Apotheken haben heute dicht gemacht, viele Teams kommen bei den zentralen Demos zusammen. Das Credo: Zusammenhalt für mehr Fixum.

Inhaber Hans-Joachim Hofmann von der Langenwand-Apotheke in Albstadt-Tailfingen ist bei der Demo in München dabei – gemeinsam mit 16 Personen aus dem Team. „Wir wollen unsere Meinung kundtun, denn wir haben ein Personalproblem – aber nicht wegen des Fachkräftemangels, sondern weil die Arbeit in der Apotheke einfach nicht mehr attraktiv ist.“ Das betreffe sowohl die Bezahlung als auch die Arbeitszeiten und so weiter. Das müsse sich endlich ändern.

Stimmen aus Hannover

Constanze Linz, Inhaberin der Leibniz-Apotheke in Hannover, machte sich am Vormittag bereit. „Wir machen um 12 Uhr dicht und gehen gemeinsam zur Kundgebung, um uns endlich Gehör zu verschaffen.“ Das Fixum müsse endlich erhöht werden, damit auch ihre Apotheke bestehen bleiben könne. „Wir kämpfen um die Versorgung von morgen.“ Es sollten sich möglichst viele beteiligen, wenn die Standesvertretung sich schon so stark macht, so Linz. „Das Problem ist doch bereits, dass viele Apotheken heute nicht mitmachen können, weil sie sich den Umsatzverlust heute nicht leisten können.“

„Wir wollen zeigen, dass Apotheken nichts Selbstverständliches sind. Es wird immer schwieriger, Personal zu finden, die Versorgung aufrechtzuerhalten. Kaum jemand traut sich, eine Apotheke neu aufzumachen. Ohne wirtschaftliche Planungssicherheit finden sich keine jungen Kolleg:innen, die zur Bank gehen, um eine neue Apotheke zu eröffnen“, heißt es von einer anderen Protestieren in Hannover.

„Wir protestieren das vierte Jahr und es ist bisher nichts passiert“

Eine Apothekerin aus Gotha berichtet von der Demo: „Wir protestieren das vierte Jahr und es ist bisher nichts passiert. Wir wollen endlich die 9,50 Euro, die versprochen sind. Mir geht es aber auch um strukturelle Änderungen. Das betreffe auch die Ausbildung, an vielen Schulen falle viel zu viel Unterricht aus.“ Hier brauche es Änderungen.

Berlins Kammer-Präsidentin und Abda-Vizepräsidentin Ina Lucas freut sich über die Beteiligung: „Hier stehen wir heute alle gemeinsam für unsere Forderungen und somit auch für eine gute Gesundheitsversorgung ein. Wir haben in die Mitgliedschaft reingehört, die Bereitschaft ist der Kolleg:innen ist riesengroß.“

Die Angestelltenvertreterin der Abda, Silke Laubscher, betont: Wichtig sei, dass möglichst viele Kolleg:innen gemeinsam ein deutliches Zeichen nach Berlin senden, auch für die Angestellten. Und auch aus Baden-Württemberg sind Kolleg:innen dabei und unterstützen von vor Ort aus den Apotheken. „Es müssen einige Knackpunkte in der Reform angegangen werden, darunter die Apotheke ohne Apotheker:innen, Zweigapotheken & Co. Die wirtschaftliche Lage sorgt dafür, dass auch das Gehalt der Angestellten und die Tarifverträge eher mau ausfallen. Um dies zu ändern, ist die wirtschaftliche Stärkung der Apotheken der erste Schritt.“

Eine Apothekenangestellte aus Greifswald berichtet auf der Veranstaltung in Berlin: „Wir stehen vor dem Nichts, die Apotheken sterben. Wir brauchen eine Honorarerhöhung, nicht nur auf 9,50 Euro, sondern auf 11 Euro.“ Sie ist mit dem Team aus Greifswald geschlossen angereist, dort sind alle Apotheken geschlossen bis auf die notdiensthabenden Apotheken.

„Wir wollen auch noch heute, morgen und übermorgen für die Menschen da sein. Die Qualität, die wir bieten, ist es wert, verteidigt zu werden. Wir sind es wert, unseren Beruf auszuüben“, so Apotheker Edward Mosch aus Vlotho, Vertrauensapotheker aus seinem Kreis. „Wir unterstützen Frau Warken gerne und ihren Mut, nicht die Reform ihres Vorgängers umzusetzen, sondern eigene Ideen.“

Eigene Demo in Fulda

Abseits der vier großen Veranstaltungen in Berlin, Hannover, Düsseldorf und München hat der Hessische Apothekerverband (HAV) in Fulda eine weitere Veranstaltung auf die Beine gestellt. Vor Ort ist Inhaberin Cordula Eichhorn und freut sich über viele Kolleg:innen mit Schildern, Luftballons und Apotheken-A. „Ich bin wahnsinnig stolz, dass wir unsere eigene Demo organisiert bekommen haben.“ Das mediale Echo ist groß. RTL und ntv, das ZDF und zahlreiche weitere Medien sind vor Ort. „Die zentrale Forderung: Honorar, Honorar, Honorar – es führt kein Weg daran vorbei. Irgendwann ist es mal gut, wenn man sich die zahlreichen weiteren Erhöhungen und Kostensteigerungen anschaut.“

Rückhalt aus der Branche vor Ort

Rückhalt gibt es auch aus der Branche heute bei den Protesten: „Für uns ist es selbstverständlich, gemeinsam mit den Apotheken zu demonstrieren. Die Vergütung muss nach oben und auch leistungstechnisch muss sich etwas ändern“, so Noventi-Chef Mark Böhm.

Frank Sczesny, Vorstand der Sanacorp, fügt hinzu: „Die wirtschaftliche Stabilität der Apotheken ist in Gefahr. Es geht darum, dass die Vergütung, die im Koalitionsvertrag zugesagt ist, auch zeitnah umgesetzt wird. Und zeitnah heißt: Jetzt.“ Etwa 30 Prozent der Sanacorp-Kund:innen würden am Protest teilnehmen, heißt es.

 

Wir berichten seit 11 Uhr live von den Veranstaltungen.

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