Brief an Zahnärzte

Versorgungswerke fürchten Flächenbrand

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Berlin -

Die Krise bei den Versorgungswerken hat sich zuletzt weiter zugespitzt: Wegen risikoreicher Anlagen mussten verschiedene Einrichtungen hohe Millionenbeträge abschreiben. Besonders das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) gilt als Sorgenkind. Bei der Arbeitsgemeinschaft Berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV) fürchtet man, dass der Fall die Diskussion um die Altersvorsorge der Freiberufler weiter befeuern könnte. Der Vorstand fordert konsequentes Handeln.

Dem ABV-Vorstand geht es bei der Aufarbeitung der Krise beim VZB nicht schnell genug. Es nütze nichts, auf notwendige Aufarbeitungsprozesse und laufende Auseinandersetzungen um Schadenersatz zu verweisen, heißt es in einem Brief an den Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses. Vielmehr betrachte man es als selbstverständlich und verbindlich, dass alle Mitglieder die gemeinsamen Ziele intern und extern nach Kräften unterstützten.

Die anhaltenden öffentlich ausgetragenen Diskussionen gefährdeten das Vertrauen in die Verlässlichkeit des besonderen Systems der Altersvorsorge. Immer wieder werde in Gesprächen die Frage gestellt, ob ähnliche Entwicklungen auch bei anderen Versorgungswerken eintreten könnten. „Dies berührt die Interessen der ABV und aller Versorgungseinrichtungen erheblich.“

In der mehr als 100-jährigen Geschichte sei es den Versorgungswerken immer wieder gelungen, entstehende Probleme aus eigener Kraft zu bewältigen. „Dies ist für den Bestand der Versorgungswerke insgesamt essentiell. Dies erwarten auch die 90 anderen Versorgungswerke und natürlich auch die Mitglieder der VZB von den gewählten Gremienmitgliedern!“

Dem VZB flössen jeden Monat nicht unbeträchtliche Beitragsmittel seiner Mitglieder zu. „Die Entscheidungen über die Anlage dieser Mittel werden ausschlaggebend sein für die Erholungsfähigkeit des VZB aus eigener Kraft.“ Allerdings müssten die festgestellten „Defizite in der Rechtmäßigkeits-, Wirtschaftlichkeits- und Strategiekontrolle“ endlich beseitigt und „rechtzeitige, vollständige und verständliche Informationen sowie ausreichende externe Expertise in den entscheidenden Gremien“ gesichert werden.

Der AVB-Vorstand fordert die Gremien des VZB daher auf, endlich zu einem unbelasteten Umgang miteinander zu finden und einen satzungsgemäßen Geschäftsbetrieb in Haupt- und Ehrenamt sicherzustellen. Konkret wird ein „deutlich anspruchsvolleres Timing“ zur Vorlage der Jahresabschlüsse für 2024 und 2025 verlangt.

Nach wie vor sei man bereit, die VZB zu unterstützen. „Voraussetzung hierfür ist aber die Erfüllung der oben aufgeführten Erwartungen des ABV-Vorstands sowie die unaufgeforderte, regelmäßige und faktenbasierte schriftliche Information über alle aktuellen Entwicklungen.“

Verwiesen wird in dem Schreiben auch auf das im Herbst beschlossene Prädikat, das alle 91 Versorgungswerke beantragen können, sofern sie nachweislich den gemeinsamen Richtlinien in Sachen Anlagestrategie, Risikomanagement und Geschäftsführung entsprechen. Dazu gehören laut AVB testierte Jahresabschlüsse, aber auch Regelungen zur Compliance, versicherungsmathematisches Gutachten sowie ALM-Studien und Stresstests.

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