Bayerns Kammerpräsidentin Franziska Scharpf hat vom Berufsstand mehr Selbstbewusstsein gefordert. Apothekerinnen und Apotheker sollten „endlich einmal sehen, was wir können“ und dieses Wissen anwenden, sagte sie beim Kooperationsgipfel des Bundesverbands Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) in München.
Scharpf betonte, dass sich die Apotheken gemeinsam mit der Ärzteschaft als „Handelnden“ sehen. Es sei wichtig, sich mit anderen Gesundheitsberufen „unterzuhaken“ und Perspektiven auszutauschen. Für Apotheken sei mit Blick auf die Zukunft nach der Apothekenreform wichtig, dass akademisches Personal benötigt werde.
Mit Blick auf die geforderte Honorarerhöhung auf 9,50 Euro sagte Scharpf, die auch Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer ist: „Wir werden den politischen Druck erhöhen und weitermachen.“ Proteste werde es so lange geben, bis die Umsetzung so sei, „wie wir sie haben wollen“. Sie betonte, dass all die zusätzlichen Leistungen wie Impfungen oder pharmazeutische Dienstleistungen nicht angeboten werden können, solange die Apotheken wirtschaftlich nicht gut aufgestellt seien.
Jörg Wieczorek, Vorstandsvorsitzender Pharma Deutschland, sprach sich für mehr Leistungen in Apotheken aus: „Wir trauen den Apotheken mehr zu, als sich die Apotheken zutrauen.“ Die Inhaberinnen und Inhaber müssten diese Chance nutzen und beispielsweise mehr Aktionstage umsetzen. Pharma Deutschland sehe zudem mehr Potenzial in OTC-Switches. „Da gibt es viele Indikationen, da muss man das System ändern.“
Er betonte, dass die Politik die Apotheken „nicht für dumm“ verkaufe. „Wir hatten noch nie so gute Voraussetzungen mit der Politik, Dinge zu verändern. Wir müssen nur respektvoll miteinander umgehen.“ Die Apotheken müssten aufpassen, nicht selber Hürden aufzustellen. „Hört auf zu jammern, sondern macht“, forderte er.
Dr. Rainer Hutka, Amtschef des bayerischen Gesundheitsministeriums, sagte, dass Bayern zu den Vor-Ort-Apotheken stehe und diese für „unverzichtbar“ halte. Die Apotheken hätten sich auch beim Thema Impfen bewährt und weitere Services müssten besprochen werden. Diskutiert werde etwa ein Grundkostenzuschlag für kleine Apotheken für die Abgabe der ersten 20.000 Arzneimittelpackungen. Dies ergebe Sinn, um die kleinen Betriebe zu unterstützen.
Er sagte auch, dass die Fixumerhöhung laut Koalitionsvertrag komme. Zudem sprach er sich gegen „Apotheke light“ aus. Als er zuletzt einen Virus hatte, habe ihn der erste Weg nicht zur Arztpraxis, sondern in die Apotheke geführt. „Ich wurde sehr gut beraten.“
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