Die finanzielle Situation im Gesundheitssystem ist angespannt. Kassen, Apotheken und auch der Großhandel stehen unter wirtschaftlichem Druck. Der Bundesverband Phagro sendet einen Appell an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). „Sollte eine angemessene Vergütungsanpassung ausbleiben, bleibt den Mitgliedsunternehmen allein der Weg, jeweils für sich zu überlegen, die Erfüllung des gesetzlichen Sicherstellungs- und Versorgungsauftrags auf das wirtschaftlich leistbare Maß zu reduzieren“, schreiben die Geschäftsführenden Vorstände, Marcus Freitag und Kerem Inanc.
65 Prozent aller verschreibungspflichtigen Arzneimittelpackungen können laut Phagro nicht mehr wirtschaftlich vorgehalten und abgegeben werden. Der Grund: stetig steigende Kosten bei unveränderter Vergütung. Die Versorgung ist gefährdet, denn ohne wirstchaftliche Basis, könne der Versorgungsauftrag nicht erfüllt und das gesamte Arzneimittelsortiment nicht vorghalten werden.
In seinem Brief rechnet der Phagro vor: Rund 750 Millionen Packungen verschreibungspflichtiger Arzneimittel werden pro Jahr vom Großhandel ausgeliefert. Rund 500 Millionen davon können nicht mehr kostendeckend beschafft, gelagert und ausgeliefert werden. Besonders defizitär seien niedrigpreisige, rabattvertragsgeregelte Generika – die Arzneimittel, die die Basis der Versorgung bilden.
Darum fordert der Phagro dringend eine Reform der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV): „Eine Erhöhung des Festzuschlags von derzeit 73 Cent pro Packung um mindestens 30 Cent ist aus Großhandelssicht betriebswirtschaftlich notwendig, um eine annähernde Deckung der aktuellen Kosten sicherzustellen.“ Absehbare Kostensteigerungen sind noch nicht eingepreist.
Die gesetzliche Großhandelsvergütung wurde seit 2012 nicht substanziell angepasst. Seitdem sind die Kosten dramatisch gestiegen. Die Tariflöhne sind um mehr als 40 Prozent gestiegen und auch Energiepreise und Zinskosten haben stark zugenommen. Hinzu komme der massiv gestiegene Anteil hochpreisiger Arzneimittel, der aufgrund der Deckelung des variablen Zuschlags der gesetzlichen Großhandelsspanne bei 37,80 Euro nicht zu höheren Erlösen, sondern nur zu steigenden Kosten führt. „Die gesetzliche Unterfinanzierung des Großhandels bedroht absehbar nicht nur die wirtschaftliche Existenz der vollversorgenden pharmazeutischen Großhandlungen, sondern damit gleichzeitig auch die Stabilität der Arzneimittelversorgung in Deutschland.“
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