FAZ-Interview

Overwiening: Mindestens 1 Milliarde Euro Soforthilfe

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Berlin -

Gestern Facebook, heute Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Im Interview fordert Abda-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening einen Milliardenbetrag als Soforthilfe für die Apotheken.

„Wir benötigen mindestens eine Milliarde Euro noch in diesem Jahr: als Notpauschalen für jede Apotheke, als Erhöhung des Packungsfixums und als weitere Senkung des Apothekenabschlags“, so Overwiening gegenüber der FAZ. Schließlich würden die Apotheken für die Kassen satte Einsparungen aufgrund der Rabattverträge generieren. „Die kommen den Kassen zugute, aber wir setzen sie um, indem wir das rabattierte Medikament heraussuchen, dazu kommunizieren und es ausgeben. Auch das Inkasso für die Medikamentenzuzahlung wickeln wir für die Kassen ab“, so die Overwiening.

Wahrnehmung und Wirklichkeit sind weit auseinander. Dass sich Apotheker:innen eine „goldene Nase verdienen“ sei nicht der Fall. Bei steigenden laufenden Kosten wie etwa für Miete, Energie und Personal wurde das Apothekenhonorar seit zwanzig Jahren nicht erhöht.

„Nicht einmal zwei Drittel der selbständigen Kollegen erzielen ein Betriebsergebnis von mehr als 75.000 Euro im Jahr. 11 Prozent der Apotheken haben bereits ein defizitäres Ergebnis, weitere 15 Prozent haben ein Ergebnis unter 50.000 Euro. Da steht man sich im öffentlichen Dienst besser: Der Bruttolohn eines angestellten Krankenhausapothekers ohne Leitungsfunktion beträgt 75.000 bis 106.000 Euro im Jahr“, so Overwiening.

OP-Schwester ohne Chirurg

Thema waren auch die Eckpunkte zur Apothekerreform von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. So plant der Minister, dass PTA allein in einer Apotheke die Arzneimittelabgabe übernehmen dürfen, wenn Approbierte via Telepharmazie zugeschaltet werden können. Das sieht Overwiening als Abwertung des apothekerlichen Berufs, wie sie gestern im Facebook-Live-Talk deutlich machte. Gegenüber der FAZ zieht die Abda-Präsidentin einen Vergleich: „Nach Lauterbachs Plänen soll der Apotheker bei Bedarf über die Telepharmazie zugeschaltet werden. In Analogie zu einem Chirurgen würde das bedeuten, dass eine erfahrene OP-Schwester einen Blinddarm entfernen darf, wenn sie oft genug gesehen hat, wie das geht. Notfalls kann der Arzt ihr per Video zeigen, wie sie das Skalpell richtig hält. Darauf würde sich niemand einlassen. Übrigens ist auch der PTA-Verband gegen Lauterbachs Vorschlag.“

Keine Entspannung bei Lieferengpässen

„Nein, insgesamt haben wir sogar mehr Lieferengpässe als im vergangenen Jahr. Aber das Thema ist nicht so emotionalisiert, weil es die Kinder weniger stark betrifft. Bei Fiebersäften haben wir eine recht gute Situation, bei antibiotischen Säften für Minderjährige geht es auf und ab. Aber bei Erwachsenen ist die Lage sehr, sehr angespannt. Es fehlt an stärkeren Schmerzmitteln, an Onkologika, an Aidsmedikamenten und Psychopharmaka.“

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