Onkologie

„Eine korrekte Krebsdiagnose ist ein Lottogewinn“

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Berlin -

Krebserkrankungen sind sehr individuell. Eine korrekte Diagnose ist daher schwierig, eine zweite Meinung sinnvoll. Für entsprechend vermögende Krebspatienten gibt es ein besonderes Angebot: Im Rahmen speziell einberufener Expertenpanels beraten führende Mediziner die Erkrankung und Behandlungsmethode eines Patienten. Kostenpunkt für den Service: bis zu 300.000 US-Dollar, also gut 270.000 Euro.

„Krebs ist ein Sammelbegriff“, sagt Gilbert Mertens, ehemaliger Strategieberater des Pharmaunternehmens Merck. „Die Chance, eine korrekte Krebsdiagnose zu bekommen, ist kleiner als die auf einen Lottogewinn.“ Denn es gebe hundert verschiedene Krebsarten mit tausend Subtypen; jede Art erfordere aber eine andere, passend zugeschnittene Therapie. Daher bietet Mertens mit einem Geschäftspartner an, Expertenpanels zu organisieren, in denen für Krebspatienten eine individuell auf ihre Krankheit abgestimmte Behandlung erarbeitet wird.

Die Idee zu den Panels kam dem US-Geschäftspartner von Mertens und ehemaligem Geschäftsführer von Champions Biotechnology, Jim Martell. Der suchte 2004 unkonventionelle Krebsforscher, um einem Freund zu helfen. Dabei traf er auf Professor Dr. David Sidransky, Onkologe an der John Hopkins School of Medicine in Baltimore. Die beiden gründeten 2007 gemeinsam die Organisation „Champions Oncology“ und haben seither 50 Krebspanels einberufen.

Mertens unterstützt Martell seit etwa vier Jahren bei der Durchführung dieser Panels. An den Panels nehmen neben Krebsforschern auch Mediziner aus anderen relevanten Fachgebieten teil, etwa Radiologen oder Mikrobiologen. Die Ärzte kommen von renommierten Universitäten und Forschungszentren; Mertens nennt unter anderem die UCLA, die University of Washington oder die Mayo Clinic. Den Panelvorsitz hat Sidransky.

Da er weiß, wie wichtig eine frühzeitige Behandlung bei Krebserkrankungen ist, verspricht Mertens einen Termin innerhalb von zwei bis fünf Wochen. Je nach Krebstyp diskutieren zwischen zwölf und 20 Experten. Im Durchschnitt dauern die Gespräche um die individuelle Krebsform zwischen drei und vier Stunden, können aber in besonders komplexen Fällen auch einen ganzen Tag ausfüllen.

Die Mediziner evaluieren denkbare Therapien. Dazu stellen sie einander ihre eigenen neuesten Behandlungsansätze vor. „Oftmals wird dann sehr heftig darüber diskutiert“, so Mertens. „Aber am Ende einigen sich die Experten auf eine Therapieempfehlung für den Patienten, die dann lebensrettend sein kann.“ Die Empfehlungen erfolgen laut Mertens losgelöst von Vorgaben und Leitlinien und beruhen ausschließlich auf dem gesammelten Fachwissen.

Die Umsetzung der Therapieempfehlung obliegt dem behandelnden Arzt, der deswegen entweder persönlich oder per Telefonkonferenz an den Diskussionsrunden teilnehmen sollte. Anfangs könne es Schwierigkeiten geben, denn kein Onkologe sehe seine Diagnose gern infrage gestellt, sagt Mertens. „Daher dauert es manchmal, bis der behandelnde Arzt mit an Bord ist.“

Die 50 bisher durchgeführten Panels seien mehrheitlich für Patienten aus den USA, Großbritannien und dem Mittleren Osten einberufen worden. Aber auch zwei Deutsche, die in den USA leben, haben laut Mertens bereits das Angebot genutzt. Es habe auch Interesse von in Deutschland lebenden Patienten gegeben, aber er vermutet, dass die Sprache Englisch weiterhin eine Barriere darstelle. Dabei sei die Anwesenheit des Patienten bei der Beratung nicht notwendig, im Gegenteil raten die Organisatoren sogar davon ab. Das Panel treffe sich zumeist in New York, Washington oder Baltimore. Dafür werden die daran teilnehmenden Mediziner exklusiv eingeflogen.

Die Einberufung des Expertentreffens koste je nach Anzahl der Teilnehmer zwischen 200.000 und 300.000 US-Dollar. „Davon werden sowohl die Reisekosten gedeckt, als auch der ihren Kliniken entstehende Ausfall kompensiert“, erklärt Mertens. Die Patienten müssten diese Kosten privat tragen; jedoch könne die nachfolgende Therapie von der Krankenkasse getragen werden.

Neben der Chance für den Patienten, für den das Panel einberufen wird, sieht Mertens auch einen Vorteil für Krebskranke, die nicht das Vermögen für eine persönliche Expertenrunde haben: „Das Zusammenkommen und die Diskussion der Mediziner bringt die Krebsforschung voran. Der Austausch über neue Therapieansätze kann somit jedem Krebspatienten zugute kommen“, schließt Mertens.

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