Notfallkontrazeptiva

Huml warnt vor „Pille danach“

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Berlin -

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) warnt vor einem sorglosen Umgang mit der „Pille danach“. Die Politikerin äußerte sich besorgt darüber, dass der Verkauf des Medikaments sprunghaft angestiegen ist. „Durch die seit Mitte März geltende Rezeptfreiheit darf nicht der Eindruck entstehen, dass die Einnahme der 'Pille danach' bedenkenlos möglich ist“, betonte die Ministerin. 

Huml, selbst Ärztin, betonte: „Es handelt sich dabei um ein stark wirksames Arzneimittel, das gravierend in den Hormonhaushalt der Frauen eingreift.“ Trotz der Rezeptfreiheit bleibe vor dem Einsatz der „Pille danach“ eine ärztliche Untersuchung und Beratung sehr sinnvoll. „Das gilt vor allem für minderjährige Frauen.“ Auf keinen Fall sollte das Medikament regelmäßig als alternatives Verhütungsmittel eingesetzt werden.

Die Ministerin wies darauf hin, dass die „Pille danach“ zum Teil sehr starke Nebenwirkungen haben könne. „Das geht über Übelkeit und Blutungen bis hin zu Zyklusstörungen. Denn dieses Arzneimittel ist viel höher dosiert als eine Monats-Pille mit dem gleichen Wirkstoff.“

Nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens IMS Health wurden in der ersten OTC-Woche 13.500 Packungen der „Pille danach“ in den Apotheken abgegeben. Hochgerechnet auf den ganzen Monat entspricht das 54.000 Packungen. Verglichen mit 41.000 Packungen im März 2014 ergibt sich somit ein Anstieg von 31 Prozent. Wegen der erhöhten Aufmerksamkeit, Bevorratungen auch auf Kundenseite und der Unschärfe durch die Hochrechnung sind die Werte jedoch mit Vorsicht zu genießen.

Auffällig ist, dass die „Pille danach“ in 41 Prozent der Fälle auf Rezept abgegeben wurde. Dieser GKV-Anteil lag vor dem OTC-Switch in der Regel bei rund 30 Prozent. Aus den Zahlen geht allerdings nicht hervor, in wie vielen Fällen tatsächlich eine Erstattungsfähigkeit vorliegt. Man kann also aus den 41 Prozent nicht zwingend schließen, dass die Notfallkontrazeptiva verstärkt an Frauen unter 20 Jahren abgegeben wurden.

Der Anteil von EllaOne (Ulipristal) im Rx-Bereich lag mit 52 Prozent unter dem vorherigen Durchschnittswert von 60 Prozent. Ohne Rezept wurde dagegen ausschließlich EllaOne abgegeben. Die Apotheken waren wegen der unklaren Rechtslage zu den noch nicht umgestellten Packungen der „Pille danach“ mit Levonorgestrel offenbar vorsichtig. Zumindest laut der repräsentativen Strichprobe ging kein einziges LNG-Notfallkontrazeptivum ohne Verordnung über den HV-Tisch.

Trotz des markanten Anstiegs nach dem OTC-Switch erwartet der Hersteller HRA Pharma auf das Jahr gerechnet keine so krassen Zuwächse bei den Absatzzahlen. „Wir hatten in den vergangenen Jahren immer ein Wachstum von rund 7 Prozent, vielleicht werden es künftig 10 bis 15 Prozent sein“, so HRA-Deutschlandchef Klaus Czort. Im Startmonat März sei wegen der großen öffentlichen Aufmerksamkeit mehr zu erwarten, die Kurve werde aber abflachen.

Wachstumspotential für die Zukunft sieht der Hersteller dennoch: In Deutschland gebe es einen Bedarf an Risikosituationen – dazu zählen alle Arten von Verhütungspannen sowie ungeschützter Verkehr – von 2,4 Millionen Packungen pro Jahr. Davon sei man mit zuletzt 400.000 Packungen im Jahr noch sehr weit entfernt, so Czort.

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