Die zahlreichen Schließungen haben in Thüringen dazu geführt, dass die Landesapothekerkammer (LAKT) die Notdienste anders als bisher organisieren muss. Entsprechende Pläne wurden bereits Ende November bei der Kammerversammlung vorgestellt. Die Pläne des Notdienstausschusses unter der Vorsitzenden Sabine Kratky sehen vor, die Planung zu erleichtern und die Belastung abzusenken.
Die vorgelegten Maßnahmen beinhalten eine „Notdienstbörse“ und das Projekt „Richtlinie plus 5 km“. Die Notdienstbörse ermöglicht laut LAKT, dass bis zu 30 Prozent der nominellen Dienste innerhalb des eigenen Notdienstkreises abgegeben oder übernommen werden können. Schließlich sei die Notdienstpauschale von zuletzt etwa 550 Euro für manche Apotheken auch attraktiv. Bisher sei die Börse nur in neun Notdienstkreisen zum Einsatz gekommen, gebe aber in so manchem Fall neuen Spielraum.
Auch bei den zulässigen Entfernungen zur nächsten dienstbereiten Apotheke schraubt die LAKT an den Möglichkeiten: „Apotheken, deren Dienstbelastung bei durchschnittlich drei Diensten im Monat liegt, haben die Möglichkeit, das Modell ‚Richtlinie plus 5km‘ für sich zu nutzen“, heißt es von der Kammer. Apotheken aus 17 Notdienstkreisen könnten das nutzen, bisher wurden aus zwölf Kreisen Anträge hierfür eingereicht.
Die Ausgestaltung dieser Option laufe unterschiedlich, so die Kammer, „und es gibt auch Pläne aus Regionen, bei denen die Option nur genutzt wurde, um ein, zwei Apotheken direkt einzubinden, die bisher etwas zu weit entfernt waren, während der Verweis auf die nächste Großstadt unterblieb, auch wenn er möglich gewesen wäre“.
Auch positive wie negative Nebeneffekte hätten sich bei diesen Ideen gezeigt: „Für die Region um Greiz liefert der nun mögliche Verweis nach Zeulenroda den Anlass, den Dienst zu planen, ohne Verweise nach Sachsen berücksichtigen zu müssen. Die Planung wird damit schneller und deutlich unkomplizierter. Auf der anderen Seite riss die Entlastung im Notdienstkreis Sömmerda neue Lücken im Gebiet um Bad Langensalza auf, da nun deutlich seltener der Verweis auf die nahegelegenen Apotheken in Greußen und Gebesee möglich war. Aber auch hier finden sich Lösungen.“
Man könne jedoch beide Maßnahmen positiv bewerten, denn in jedem Fall führten sie zum Rückgang der zu absolvierenden Dienste – vor allem in der Region Sömmerda: Hier sei die Zahl um etwa zwölf Dienste pro Apotheke zurückgegangen. In anderen Regionen könne etwa um eine Woche Notdienst entlastet werden. „In anderen Regionen wird es zwar nicht unbedingt zu einer Entlastung kommen, allerdings konnte dort trotz der Schließung von Apotheken ein Anstieg der Dienstbelastung vermieden werden“, so die Kammer.
Im November kümmerte sich die Kammer auch um Schreiben an die Bürgermeister:innen der Städte und Gemeinden, mit denen sie über die Modellprojekte informiert wurden. Auch ein Plakat für die Gemeinden und auch als Aushang für die Apotheken wurde vorbereitet. Dazu gehöre auch in allen Fällen ein Gesprächsangebot zwischen den Apotheker:innen und den örtlichen Vertreter:innen.
Auf die Notdienstthematik weist die Kammer die Öffentlichkeit auch auf ihrer 2024 ins Leben gerufenen Seite „lebenszeichen-apotheke.de“ hin. Dort heißt es direkt: „Nacht für Nacht und an allen Sonn- und Feiertagen gewährleisten etwa 35 Thüringer Apotheken Ihre Arzneimittelversorgung. Doch die Apotheken-Zahl sinkt.“ Zudem seien in vielen Gemeinden und Städten zuletzt die jeweils einzigen Apotheken verschwunden.
„Gerade in den Notdienstzeiten versuchen wir die Quadratur des Kreises: Ihre Versorgung sicherstellen und gleichzeitig die Überlastung der Apotheken vermeiden. In einem Modellprojekt erweitern wir die Maximal-Entfernung zur nächsten Notdienstapotheke um wenige Kilometer. Das kann bedeuten, dass Sie für Ihr Arzneimittel etwas länger unterwegs sind.“ In diesem Zuge holt sich die Kammer direkt das Feedback aus der Bevölkerung ein.
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