Mitgliederschwund

Pharmazeutinnen-Verband löst sich auf

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Berlin -

Verband ohne Vorsitz: Dem Deutschen Pharmazeutinnenverband (DPV) sind die aktiven Mitglieder ausgegangen. Bei der Vorstandswahl am Wochenende fand sich niemand, der für den Vorsitz kandidieren wollte. Da sich die aktuelle Spitze aus Dr. Martina Hahn und Karin Wahl nicht mehr zur Wahl stellte, wird sich der Verband nun voraussichtlich auflösen. Zum Verhängnis wurde dem DPV das, wogegen er eigentlich kämpfen wollte – die klassische Rollenverteilung.

Der DPV wurde 2002 gegründet. Von Anfang an dabei waren Wahl, Professor Dr. Ulrike Holzgrabe, Antonie Marqwardt – heute Schriftführerin des Verbands –, Professor Dr. Karen Nieber, Dr. Gabriele Bojunga, Dr. Gisela Wurm, Dr. Brigitte Mühlenbruch und Dr. Daniela Gündisch. Ziel des Verbands war es, die berufliche Bildung von Pharmazeutinnen, die Gender Medicine und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern. Zuletzt hatte sich der Verband vor allem mit der Rezeptfreiheit für die „Pille danach“ befasst, die die Pharmazeutinnen begrüßten.

Schon immer war der DPV ein eher kleiner Verein, zuletzt zählte er laut Marqwardt noch 99 Mitglieder. Verbandsvorsitzende Hahn steht bereits seit fünf Jahren an der Spitze des Verbands. Wahl hatte sich bereits zurückgezogen, übernahm das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden aber vor zwei Jahren – weil sich niemand anderes fand. Beide wollen sich nun aus der aktiven Tätigkeit zurückziehen. Marqwardt kann das verstehen: „Ich gehe auch schon auf die 70 zu und bin nicht mehr im Beruf.“

Aus ihrer Sicht haben derzeit viele Verbände, die nicht lokal organisiert sind, Probleme, Mitglieder zu halten. Bei Frauen komme die Doppelbelastung hinzu: sich um den Beruf und die Familie zu kümmern. Zwar gebe es inzwischen in vielen Ländern Kitas, aber sobald die Kinder in die Schule kämen, ergebe sich das Betreuungsproblem von neuem, da es oft keine Horts oder Nachmittagsbetreuungen gebe, so Marqwardt.

Sie selbst habe mit der Berufspolitik begonnen, als die Kinder aus dem Haus gewesen seien, erzählt Marqwardt. Auch die Pflege von Angehörigen sei eine Aufgabe, die typischerweise Frauen zufalle. Da greife die klassische Aufgabenverteilung.

Das zeige sich auch beim Blick auf den Frauenanteil unter den Apothekenleitern: Dieser habe seit Gründung des Verbands kaum zugenommen. Zuletzt waren 46 Prozent der Leiter Frauen. Zum Vergleich: Von knapp 50.000 Apothekern, die in öffentlichen Apotheken arbeiten, sind 71 Prozent Frauen. Das zeigt aus Marqwardts Sicht, dass die Gleichberechtigung noch nicht abgeschlossen ist.

Darunter versteht die Pharmazeutin, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben – und damit meint sie auch, dass Männer mehr Rechte haben. „Wenn ein Mann heute 30 Stunden in Teilzeit arbeiten möchte, dann steht er vor den gleichen Problemen wie eine Frau“, betont Marqwardt. Aus ihrer Sicht müssen die Unternehmen generell umdenken.

Sie will dieses Ziel des DPV auch weiterhin verfolgen. Der Verband wird sich zwar auflösen – zumindest wenn sich nicht schnell eine neue Vorsitzende findet –, aber die Ideen könnten weiterleben. Derzeit prüft der DPV-Vorstand, ob die Pharmazeuten im Deutschen Akademikerinnenbund oder dem Arbeitskreis Frauengesundheit (AKF) ein neues Zuhause finden können. „Wir haben schon den Ehrgeiz, nicht ganz zu verschwinden“, so Marqwardt.

Zwar muss sich der DPV mangels Vorsitz zunächst auflösen, die Mitglieder könnten dann aber einer der beiden anderen Organisationen beitreten und dort eine Arbeitsgruppe gründen. Als solche könnten sie auch weiterhin an den europäischen Treffen der Pharmazeutinnen-Verbände teilnehmen.

Das nächste dieses Treffen ist bereits geplant – und werde auch stattfinden, betont Marqwardt. Vom 4. bis 6. September treffen sich Pharmazeutinnen aus ganz Europa in Den Haag statt. Eines der Hauptthemen ist das Medikationsmanagement.

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